Mitte des 16. Jahrhunderts feiert die Kirche den "Missionsfrühling" in der Neuen Welt: die völkermörderische Eroberung der Indianerreiche Lateinamerikas. In Europa liegen fast alle christlichen Mächte miteinander im Krieg. Dazu flammen neue Konflikte mit dem islamisch-osmanischen Imperium auf. Die Hexenverfolgungen erreichen ihren Höhepunkt, zu Tausenden lodern die Scheiterhaufen. Der Katholizismus festigt sich im Ringen mit der zweiten Generation der Reformatoren, mit Zwingli in Zürich und Calvi in Genf, dessen Terrorregiment oft schlimmer wütet als die Inquisition. Zur Stütze des Papsttums werden Ignatius von Loyola und der Jesuitenorden Hauptakteure der Gegenreformation; zeitweise scheint ganz Europa "nur von Jesuiten beherrscht" (Cordara SJ).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.08.2008
Karlheinz Deschners neunter Band der "Kriminalgeschichte des Christentums" lässt nach der Lektüre einen schockierten, aber auch emphatischen Arno Widmann zurück. Schockiert ob der Präzision, mit der Deschner die Völkermorde schildert, durch die das christliche Europa seinen heutigen Status erlangte. Emphatisch angesichts der Bedeutung des Buchs, das den Westen, in dem nach eigenem Selbstverständnis "Menschenwürde und gegenseitige Achtung Tradition sind" auf den Boden der historischen Tatsachen zurückholt: Die blanken Zahlen von der beinahen Ausrottung der Ureinwohner in Spanisch-Amerika, aber auch die grausamen Details verhinderten - so "packend" Deschner auch schreibt - eine Lektüre am Stück. Mit Verve empfiehlt Widmann schließlich, Deschners Werk als einen "Beitrag zur Selbstkritik des Westens" zu lesen.
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