Mit Texten von Elisabeth Heyne und Alexander Wagner, Peter Hintz, Marlen Hobrack, Paula Irmschler u.a. Plattenbauviertel, unkenntlich gemachte Denkmäler und Billig-Discounter: Die Fotografien von Philipp Baumgarten haben ein Dutzend namhafte Autorinnen und Autoren dazu inspiriert, ihre Erfahrungen in der Nachwendezeit zu beschreiben. Ihre Stimmen geben Einblick in eine Generation, deren ostdeutscher Hintergrund oft wie ein Phantomschmerz erscheint und im Spiegel des "westdeutschen Blicks" bis heute präsent ist. Als Kinder der 1990er Jahre, geprägt von Industriebrachen einerseits und US-amerikanischer Popkultur sowie der globalen Digitalmoderne andererseits, betrachten sie kritisch, aber auch mit Nachsicht ihre Kindheit und die Zeit seit der Wiedervereinigung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2024
Mit "Ostflimmern" haben die HerausgeberInnen Philipp Baumgarten und Annekathrin Kohout ein nuanciertes, zwischen Bildkunst, Essay und Literatur changierendes Buch geschaffen, findet Rezensent Jan Wiele. Die Fotografien Baumgartens werden darin von Stellungnahmen anderen Mitgliedern seiner Generation - "Wende-Millennials mit DDR-Hintergrund", geboren zwischen 1982 und 1995 - flankiert. Die Fotos selbst stellen laut Wiele häufig ostdeutsche Architektur dar, in der Kombination mit dem Städtebau seit den 90er Jahren. Die BeiträgerInnen reflektieren darauf in unterschiedlicher Weise: Kohut beispielsweise diagnostiziert eine neue Welle ostdeutscher Identitätszuschreibungen seit 2015, die Journalistin Valerie Schönian beschreibt in einem Gedicht die unmittelbare Wende-Situation und andere Texte beschäftigen sich, so der Rezensent, mit dem plötzlich überbordenden Konsumangebot seit den 90ern. Von der Differenziertheit des Bandes zeigt sich Wiele beeindruckt und kann die These Kohuts, ihre Generation zeichne sich durch größere "Ambiguitätstoleranz" aus, teilen.
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