Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Rainer Moritz. Monsieur Ladmiral, ein erfolgreicher, wenn auch konventioneller Maler, hat sich außerhalb von Paris niedergelassen, wo ihn - wie jeden Sonntag - der Sohn Gonzague mit seiner Familie besucht. Man isst, man spaziert, alles ist wie immer, bis Irène, die Tochter, auftaucht. Während Gonzague ein eher langweiliges bürgerliches Leben führt, geht Irène undurchschaubaren, doch umso lukrativeren Geschäften nach und lässt sich von niemand in die Karten ihres (Liebes-)Lebens blicken. Der Familiensonntag wird in Pierre Bosts kleinem Roman zu einem Panorama der Gefühle, wie sie in Familien nicht nur kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges unter der Oberfläche brodeln. Rivalität unter Geschwistern, Eifersucht und die Angst vor dem Tod des Vaters treten zutage - nur die Mitglieder der Familie würden sich dies nie eingestehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2013
Ingeborg Waldinger scheint sich am Sendungsbewusstsein des Autors nicht zu stören. Der propagiert durch seine Figur des altersschwachen Patriarchen und Malers Ladmiral die Originalität eines Paul Cezanne in der Kunst. Grandios findet Waldinger, wie subtil Pierre Bost in diesem bereits 1945 erschienenen Roman die Bourgeoisie der Dritten Republik zeichnet - als familiäres Kammerspiel, das die Charakterzüge des Personals offenlegt, wie Waldinger anerkennend schreibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2013
Joseph Hanimann schätzt vor allem die Andeutungskunst des Autors, der, wie er schreibt, mit diesem kleinen Roman ein Juwel psychologischer Situationsbeschreibung abliefert. Das Ritual eines Familientreffens bei einem alten Maler auf dem Land zeichnet Pierre Bost laut Hanimann als Skizze, die zwar ständig Sinnzusammenhänge erkennen lässt, doch eben nur als Ungesagtes, Duchscheinendes. Es genügt, um Hanimann in feinen Zügen eine Traurigkeit zu vermitteln, die mit Alter und Tod zu tun hat. So elegant wie der Text erscheint ihm auch die Übersetzung durch Rainer Moritz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2013
Endlich ist Pierre Bosts bereits im Jahre 1945 in Frankreich veröffentlichter grandioser Roman unter dem Titel "Ein Sonntag auf dem Lande" auch auf Deutsch erschienen, freut sich Rezensent Tilman Spreckelsen. Einen Sonntag lang begleitet der Kritiker hier den sechsundsiebzigjährigen, einst gefeierten impressionistischen Maler Urbain Ladmiral bei seinen Selbstgesprächen, die um den wöchentlichen Besuch seiner Kinder, aber auch um in der Vergangenheit verpasste Chancen kreisen. In bester Proust-Manier beschreibe Bost das Nebeneinander von "verstreichender und aufgehobener Zeit", lobt der Rezensent, der sich an den schönen Bildern des Niedergangs und des Abschieds berauscht. Begeistert zeigt sich Spreckelsen auch von der feinsinnigen Beobachtungsgabe des Autors, der die kleinen Veränderungen in der Gleichförmigkeit der Sonntage mit einem besonderen Gespür für Tempuswechsel schildere.
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