Mit einem Nachwort und aus dem Französischen übersetzt von Wolfgang Matz. Die Erzählungen dieses Bandes beschwören die Zeit der Frühchristianisierung herauf, als Heidentum und Christentum eng miteinander verflochten waren, als Mönche Klöster gründeten in zum Teil unwirtlichen Gegenden, auf Inseln oder in den Sümpfen. Kleine Lebensläufe sind es, die hier präsentiert werden, kleine Bruchstücke des Lebens von Menschen in einer Umgebung, die sich auch durch seine Brutalität auszeichnet - erzählt in einer monumentalen Sprache, in monumentalen Bildern, in einer geradezu mythischen Überhöhung des Schreibens selbst. Eine überaus kraftvolle Sprache, ob sie die Lust des Fleisches erhebt oder denjenigen, der der Macht verfällt, in verhängnisvolle Wut stürzt. Für Pierre Michon gibt es keinen Bruch zwischen dem Leben eines Mönchen aus dem 10. und dem Leben eines Archäologen aus dem 19. Jahrhundert: Sie alle haben die gleichen Leidenschaften, das gleiche Elend, die gleiche Größe, die uns eigen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2026
Rezensent Niklas Bender taucht sehr gern ein in die Prosaminiaturen, die Pierre Michons neuer Band versammelt. Auch diesmal beschäftigt sich Michon mit dem Glauben, genauer gesagt mit der Umschrift von Heiligenlegenden, die freilich bei ihm stets eine Beziehung zum Irdischen eingehen. Wie zum Beispiel gleich zum Auftakt in drei Miniaturen, die sich an einer Neufassung frühchristlicher Legenden um Brigid, Columbkill und Suibhne widmen. Später geht es unter anderem um Reliquien und die Verbindung von Glaube und Lust, Pate steht dabei Flaubert, mit dem Michon das Interesse an Religion als einem menschlichen Urgefühl teilt. Weit entfernt von jeder Postmoderne ist das, meint der Rezensent, ironiebegabt ist Michon allerdings durchaus. Als einen Erben der "Kleriker, Höhlenforscher, Anthropologen" bezeichnet Bender diesen Literaten. Der mit Vorliebe in knappen, komprimierten Sätzen schreibt, die von Wolfgang Matz, der außerdem ein kluges Vorwort beisteuert, perfekt ins Deutsche übertragen werden. Alles in allem ist das schlicht erstklassige Literatur, schließt die Besprechung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.01.2026
Fasziniert bespricht Rezensent Peter Urban-Halle Pierre Michons neues Buch, das eine Reihe von Legenden enthält, die allerdings auf historischen Quellen basieren. Im mittelalterlichen Irland, aber auch im Frankreich des 19. Jahrhundert sind die Geschichten angesiedelt. Es geht um Könige, die zu Waldmenschen werden, Königstöchter, die sich das Leben nehmen, um Gott zu begegnen, und um Triumphe, die sich hinterher als Niederlagen erweisen. Einfach zu lesen, so Urban-Halle, ist Michons eigenwillige Sprache nicht, aber man kann sich an den endlosen Sätzen dieses Buches durchaus berauschen. Auch, dass Michon aufs Moralisieren verzichtet und einfach nur versucht, kleinen, ungeschriebenen Leben einen Raum zu geben, imponiert dem Rezensenten. Abschließend erwähnt Michon zwar ein paar Verbindungslinien zu Faulkner und anderen Autoren, stellt aber klar: Letztlich ist die Wucht dieser Prosa unvergleichlich.
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