Die Publikation "Projekt Migration" bietet ein dichtes Gefüge von Bildern und Texten, das den Zeitraum von 1955 bis 2005 umfasst und zu wenig behandelten Fragen der Migration in Deutschland Auskunft gibt. Ästhetische Produktion, historische Recherche und sozial- wie kulturwissenschaftliche Forschung werden in einen Dialog gesetzt. In wissenschaftlichen und literarischen Texten - alle auch in Originalsprachen wiedergegeben -, in Interviews mit Theoretikern und mit den Stimmen von Zeitzeugen, in dokumentarischen Bildern und Arbeiten zeitgenössischer Künstler wird erstmals eine andere, völlig neue Sichtweise auf das Phänomen entworfen.
Von einer "opulent" bebilderten Zeitreise berichtet Hans-Volkmar Findeisen. Der Band zu dem von der Bundeskulturstiftung initiierten Projekt Migration erzählt die Geschichte der Einwanderung in Deutschland, vom ersten angeheuerten Gastarbeiter bis zum brennenden Haus der Familie Genc in Solingen. Gänzlich hat ihn das Buch aber nicht überzeugt. Zu stark hängt es seiner Meinung nach an dem Bild vom klassenbewussten Migranten und Foucaults Überwachungstheorien. Eine Schwäche sieht er auch in der Beschreibung der Gegenwart. Hier beschränke sich der Band auf eine Kritik am rigiden Schengen-Abkommen, womit nach Meinung des Rezensenten das Thema Grenzgänger aber kaum ausreichend behandelt werde. Positiv hervor hebt er einen Beitrag von Sabine Hess über osteuropäische Au-pair-Kräfte. Doch insgesamt hat Findeisen zu wenig aktuelle "Nahaufnahmen" in diesem Band gefunden: "Er geht auf die Reise und kommt nicht an."
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