Aus dem Englichen von Ursula Gräfe. Mit einem Vorwort von Graham Greene. Die Kleinstadt Malgudi, Schauplatz aller Erzählungen und Romane Narayans, ist die Heimat des jungen Brahmanen Chandran. Mit seinem Markt, dem Tempel, dem Flußufer, den Kaffeehäusern und dem einzigen Kino ist das fiktive Malgudi der Inbegriff südindischen Lebens und zugleich der Mikrokosmos, in dem der Reifeprozeß des jungen Mannes seinen Anfang nimmt. Der Geschichtsstudent Chandran bereitet sich auf das Examen vor. Doch als er verschiedene, einander auch noch widersprechende Aufträge erhält, gerät sein Zeitplan gründlich durcheinander. Nach dem mit Mühe bestandenen Examen geschieht etwas, das ihn aus seinem beschaulichen Leben herausreißt: Er verliebt sich leidenschaftlich in die junge Malathi. Doch deren Vater weist ihn zurück, da die nach brahmanischer Tradition erstellten Horoskope der beiden nicht harmonieren. Chandran ist verzweifelt und verläßt Elternhaus und Stadt, um als Bettelmönch durch Indien zu ziehen. Nach acht Monaten aber nimmt Chandran einen ganz anderen Weg.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2004
Irene Binal bespricht einen Roman, der aus dem Jahr 1937 stammt und nun endlich in einer deutschen Übersetzung vorliegt. "Reifeprüfung" stammt aus der Feder des 2001 verstorbenen indischen Schriftstellers R.K. Narayan, der, ähnlich wie sein Protagonist Chandran aus der "Reifeprüfung", im Spannungsfeld zwischen alten Traditionen und britischer Lebensart sich bewegte. So schrieb Narayan, teilt Binal mit, zum Beispiel in Englisch, sei aber in Duktus und Sprachmelodie ganz dem Indischen verhaftet geblieben. Narayans Romane seien alle in der fiktiven Stadt Malgudi angesiedelt, erklärt Binal, in welcher der gesamte südindische Kosmos aufscheine. Auch Chandran sei eine für Narayan typische Figur, die anfangs gegen die Konventionen verstoße und aufbegehre, sich aber später damit arrangiere und einen eigenen Weg zwischen Tradition und Moderne beschreite. Narayan hätte sich nie dazu durchringen können, die alten Bräuche zu verurteilen, meint Binal, er hätte lediglich die Identitätskonflikte geschildert. Insofern sei Narayan ein Chronist seiner Zeit und Gesellschaft, aber kein Kommentator. Doch arbeite der Chronist und Erzähler stets mit einer feinen Ironie, so Binal lobend, so dass die Konturen dieser zerrissenen und im Umbruch befindlichen Gesellschaft scharf und deutlich hervorträten.
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