Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003
Fast möchte man meinen, der Rezensent Heinz Hug versuche zu begründen, warum man überhaupt einen nicht mehr brandaktuellen Roman aus einer anderen Kultur lesen sollte. Rabah Belamris Roman "Der verletzte Blick" sei ein solcher Text, vor 15 Jahren geschrieben, über Ereignisse, die noch weiter zurückliegen, nämlich den algerischen Unabhängigkeitskrieg. Und doch sei er in gewisser Hinsicht brandaktuell, so Hug, wirft er doch Licht auf die Hintergründe heutiger Entwicklungen - und Missentwicklungen - in Algerien. Der Titel, so Hug, verweist sowohl auf den fünfzehnjährigen Hassan, der schrittweise erblindet und aus dessen "zwangsläufig subjektiver" Perspektive erzählt wird, wie auch auf "die Verletzungen, die ihm die Ereignisse zufügen", denn er erkennt, dass die Unabhängigkeit sich in "Abrechnung und Streit um neue Machtpositionen" erschöpft. "Sparsam" nennt Hug Belamris Erzählweise, da dieser sich auf Hassans "Wahrnehmungen und Erinnerungen" beschränken, und diese ganz ohne Pathos in "kristallklare Sprache" gefasst hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2003
Lothar Müller preist begeistert diesen Roman, der 1987 erstmals in Paris erschienen ist und nun auf Deutsch vorliegt. Das Buch spielt in Algerien im Jahr der Unabhängigkeit 1962, erzählt der Rezensent, der mit Zufriedenheit bemerkt, dass der Autor nicht dem "Pathos des historischen Augenblicks" verfallen ist, sondern lauter kleine Geschichten erzählt. Neben den Kriegsgräueln wird auch die Geschichte Hassans erzählt, der mit 16 erblindet, fasst Müller zusammen, der auch weiß, dass der algerische Autor selbst das gleiche Schicksal teilte. Der Rezensent ist von dieser "sehr klaren, sehr harten französischen Prosa" beeindruckt und er findet es gut, dass der Übersetzer dies auch in die deutsche Fassung "ohne jede Milderung" übertragen hat. Müller spricht von einem "großartigen Buch" und ist erfreut, dass der algerische Autor, der 1995 in Paris starb, nun auch für das deutsche Publikum "zu entdecken" ist.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…