Herausgegeben von Christian von Ditfurth. Zum ersten Mal haben ein prominentes Mitglied der CDU und ein prominentes Mitglied der PDS gemeinsam die gleichberechtigte und gleichverantwortliche Autorenschaft eines Buches übernommen. Gegensätzlicher könnten Lebensläufe kaum sein. Rainer Eppelmann war in den Augen der Stasi ?Staatsfeind Nr. 1?. Zeitweise plante die Staatssicherheit seine Ermordung. Dietmar Keller dagegen ist ein Aufsteiger des ?Arbeiter-und-Bauern-Staats?. Er war der letzte Kulturminister der SED. Aber die Herkunft aus feindlichen Welten ? hier Nomenklatura, dort Opposition ? verhindert nicht den offenen Dialog auf gleicher Augenhöhe. Jedenfalls nicht in diesem Buch. Es ist eine Auseinandersetzung über die Geschichte der DDR und ihre Bedeutung für das neue Deutschland. War die DDR ein legitimer sozialistischer Versuch nach der Weltkatastrophe des NS-Regimes? Oder war die DDR ein großer Knast, spätestens seit dem Mauerbau 1961?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.08.2000
Ulrich Mählert hat dieses Buch offensichtlich mit großem Interesse gelesen. Zwar weist er zunächst darauf hin, dass es sich hier primär um zwei Monologe und nicht - wie der Untertitel verheißt - um einen Dialog handelt (wenn man von einem Interview mit Eppelmann und Keller am Ende des Buchs absieht). Aufschlussreich findet der Rezensent das Buch besonders in ganz persönlicher Hinsicht. So erhält seiner Ansicht nach ganz besonders das in der Öffentlichkeit bekannte Bild Eppelmanns "bei der Lektüre Sprünge". Sowohl bei Eppelmann als auch bei Keller diagnostiziert Mählert "eine differenzierte und sachliche Sicht auf die Vergangenheit", wenngleich ihre politischen Ansichten über die DDR denkbar verschieden sind. Bei Kellers Ausführungen scheint sich der Rezensent jedoch an zwei Aspekten zu stören. Zum einen ist dies die seiner Ansicht nach "letztlich sinnlose Litanei der verpassten Chancen", auch wenn Keller in mancher Hinsicht recht hätte. Zum anderen zeigt sich der Rezensent spürbar verblüfft über die "Chuzpe Kellers", in Anwesenheit Eppelmanns zu bekunden, dass er, Keller, unter anderem deswegen keine Kontakte zur Opposition in der DDR gehabt habe, weil ihn "nicht die schwarze Pfarrersrobe geschützt" habe.
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