Zum ersten Mal überhaupt entwirft die Einführung von Ralf Konersmann die geschichtliche und systematische Struktur der Kulturphilosophie. Konersmann fragt, welche Bedürfnisse das Entstehen der Disziplin begünstigt haben, und erläutert das Aufkommen der Kulturphilosophie an der Wende zum 20. Jahrhundert. Eigene Kapitel widmen sich den Grundbegriffen der Kulturphilosophie, ihren wichtigsten Vertretern, der Prägnanz ihres Gegenstands sowie den Ansprüchen einer 'kritischen Kulturphilosophie'. Das Schlusskapitel konkretisiert das Kulturelle als Umwegphänomen: "Alle Kultur ist eine Kultur von Umwegen."
Besonders elegant findet Dirk Knipphals, wie der Kieler Philosophieprofessor Ralf Konersmann all den kritischen Intellektuellen den Boden unter den Füßen wegzieht, die sich allenthalben in die Rolle des Anklägers werfen, um den gegenwärtigen Zustand der Kultur zu beklagen: Er erklärt sie einfach zum Mainstream, wenn nicht gar zum Junk: "Von dem, was sich in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten kulturkritisch vernehmen ließ, ist vieles und sogar das meiste nicht zu retten", zitiert er den Autor. Konersmann selbst hält die vielbeschworene "Krise der Kultur" für keine Tragödie, sondern für einen Dauerzustand, erklärt uns der Rezensent und hält dies für eine gute Grundlage dieser "gut lesbaren Hinführung zum aktuellen Stand der Kulturphilosophie".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2003
Als das "Verdienst" dieser Einführung in die Kulturphilosophie lobt Christian Geyer das Hinterfragen des Gegenstands. Denn was Kulturphilosophie im Gegensatz zu Philosophie eigentlich ist, versucht der Autor kritisch zu beleuchten, meint der Rezensent angetan. Er beschreibt die Gedankengänge Konersmanns als "via negativa", bei der dieser der Kultur und der Philosophie letztlich "die Treue hält", wie Geyer meint. Dabei bekommt der Rezensent aber zunehmend das Gefühlt, dass dieses Buch als "Einführung" in das Gebiet "ein bisschen zu weit" geht. Er findet, der Begriff "Kulturphilosophie" wird hier über Gebühr "aufgebläht" und gleichzeitig ausgehöhlt. Außerdem hält er dem Autor, der den "Umweg" als "Privileg" des Kulturphilosophen in Anspruch nimmt, entgegen, dass dies ja wohl die Denkungsart aller Philosophen sei.
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