Die Studie enthält die erste systematische Untersuchung der Rolle der Reichsfinanzverwaltung bei der Ausplünderung von Staat und Gesellschaft des besetzten Polens während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird detailliert gezeigt, auf welche Weise die deutsche Steuer- und Zollverwaltung die Vermögenswerte des polnischen Staates wie der polnischen Bevölkerung in riesigem, bislang ungeahntem Ausmaß enteignete, umverteilte oder schlicht raubte. Zudem forderte das Reichsfinanzministerium von Polen horrende Besatzungskosten, was zu massiver Inflation und Verelendung der polnischen Bevölkerung führte. Auch an der Enteignung der polnischen Juden und an der Verwertung der Erträge aus dem Massenmord waren die deutschen Finanzbeamten maßgeblich beteiligt. Insgesamt erweist sich die deutsche Besatzungspolitik in Polen als ein fiskalischer Beutezug ohnegleichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2022
Stephan Lehnstedt, Professor für Jüdische Studien, weiß, dass das Wirken der nationalsozialistischen Finanzverwaltung im besetzten Polen, wie Ramona Bräu es in ihrer Dissertation untersucht, verglichen mit anderen Aspekten der deutschen Schreckensherrschaft eher marginal einzustufen ist. Dennoch scheint ihm Bräus "streng wissenschaftlicher" Blick auf steuerrechtliche Einzelheiten, wie Freibeträge für die Besatzer und Steuerschlupflöcher für deutsche Unternehmen, wichtig, zeigt sich laut Rezensent doch, wie die Bürokratie das Regime ermöglichte und stützte. Statistiken bietet der Band nicht, dafür einen genauen Blick auf die bürokratische Praxis, so Lehnstedt.
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