Jüdische Funktionshäftlinge waren diejenigen Opfer, die die Nazis zu ihren Mithelfern machten. Sie wurden so zu einer Zwischenschicht zwischen Opfern und Tätern. Oft symbolisieren die Kapos den Tod der Moral während der Nazizeit. Doch die Funktionshäftlinge standen vielmehr vor tragischen Moraldilemmata. Wie leben Funktionshäftlinge heute mit diesen traumatischen Erinnerungen? Konnten sie die Risse in ihrem Selbstbild reparieren, und was wissen ihre Kinder über ihre Vergangenheit? Das Buch analysiert die Bewältigungsversuche von jüdischen Funktionshäftlingen und ihren Kinder am Beispiel von vier Familien, zeigt deren Methoden der Vergangenheitsbewältigung auf und bietet so eine Hilfe in der Therapie von Patienten mit traumatisierenden moralischen Dilemmata.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2002
Viele gute Absichten unterstellt Katharina Rutschky der israelischen Psychologin Revital Ludewig-Kedmi, die mit ihrer Arbeit eine Forschungslücke füllen möchte bezüglich der jüdischen Funktionshäftlinge, also der Judenräte in den Ghettos oder der "Kapos" in den Lagern, die von der Holocaustforschung mehr als Täter und weniger als Opfer der nationalsozialistischen Gewaltpolitik betrachtet worden seien. Die Psychologin, berichtet Rutshcky, möchte die Beteiligten und ihre Familien in den "Kreis der Überlebenden einholen" und stellt in ihrem Buch exemplarisch vier Familien vor. Völlig "deplaziert" empfindet Rutschky dabei die tiefenhermeneutische Vorgehensweise der Autorin. Ihr Buch beweise, schreibt Rutschky, dass das psychoanalytische Instrumentarium völlig ungeeignet ist, dem Phänomen der Funktionshäftlinge nachzuspüren. Die biografische Erforschung solcher Moraldilemmata mache den Leser nur zum hilflosen Zuschauer von Rationalisierungsmustern. Hinter dem Bemühen der Autorin um Entlastung der ehemaligen Funktionshäftlinge spürt die Rezensentin das Bestreben, die Spaltung der modernen israelischen Gesellschaft in Täter/Komplizen einerseits und Opfer andererseits aufheben zu wollen.
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