Richard Ford

Irische Passagiere

Erzählungen
Cover: Irische Passagiere
Hanser Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783446265882
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Frank Heibert. Die Menschen, von denen Ford in "Irische Passagiere" erzählt, haben oft haarscharf die falsche Abzweigung im Leben genommen oder einfach Pech. Es geht so schnell - ein dummer Seitensprung, eine verpasste Chance, plötzliche Krankheit, ein Wirbelsturm, und schon ist man unterwegs zur eigenen Scheidung, muss sich ganz neu orientieren, ist plötzlich der Junge, der seinen Vater verloren hat und zum Außenseiter wird. Aber so klar Ford seine Figuren in ihren Schwächen zeigt, so beiläufig lässt er sie in Würde durch ihre Anfechtungen und Prüfungen gehen. Richard Ford begegnet dem menschlichen Makel in diesem Band mit einer Zärtlichkeit, die zutiefst berührt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Wie Rezensent Nico Bleutge es von Richard Fords Texten kennt und schätzt, zeigen auch diese Erzählungen untergründige Spannungen, Risse und Verletzungen in menschlichen Beziehungen. Für den Kritiker ist der Autor "ein Meister im Hintuschen widersprüchlicher Empfindungen und im Andeuten blinder Flecken" und erzeugt mit kleinen Anspielungen Atmosphären. Bei so viel Talent verzeiht Bleutge ihm gern, dass er sich nicht ganz sicher war, ob die Männlichkeits- und Weiblichkeitsvorstellungen wirklich nur die der Figuren sind.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.10.2020

Rezensentin Gisela Trahms kann Richard Fords Erzählungen einiges abgewinnen, auch wenn die Figuren, satte, alte US-Amerikaner, die auf Dollars gebettet Hummer essen, ihr eher unsympathisch sind und wenig interessant erscheinen. Weil es Ford ist, überzeugen die Texte dennoch, sprachlich sowieso, meint Trahms, aber auch, weil der Autor nicht moralisiert. Dass einige Texte im Band wie Perlen erscheinen, andere eher wie das sie umgebende Seidenpapier, kann Trahms verkraften. Fords sprachliche und psychologische Finesse weckt immer wieder ihre Neugier, sogar auf die gelacktesten Figuren.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.09.2020

"'Irgendwie, irgendwas' oder 'beinahe' sind Richard Fords Lieblingswörter", stellt Rezensent Nico Bleutge mit Wohlwollen fest. Sie öffnen Momente der Uneindeutigkeit, der Unterbrechung, des Übergangs und genau diese machen Fords Erzählungen aus, so Bleutge. Die Hauptfiguren sind Menschen im mittleren Alter, finanziell abgesichert, die ein geordnetes Leben führen - als Lehrerinnen oder Anwältinnen zum Beispiel. Bis einzelne Geschehnisse sie plötzlich aus dem Gleichgewicht bringen. Dass die Geschichten nicht immer ganz ohne sprachliche Klischees auskommen, scheint Bleutges Lesegenuss keinen Abbruch zu tun. Der Titel allerdings wecke falsche Erwartungen, meint er: Das Irische stehe nie im Fokus.
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