Eine skalpierte Frau in der U-Bahn, ein totes Kind im Müll, zerstückelte Leichenteile im Plastiksack ... Wer sich täglich mit Mord und Totschlag auseinandersetzt, der darf nicht zart besaitet sein. Gefragt sind Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und breitgestreute Kenntnisse von Juristik bis Krisenintervention. Was im Kino meist als schneller Thriller abläuft, erfordert in der Realität Durchsetzungsvermögen und harte Arbeit. Oft sind tage-, wochen-, ja sogar jahrelange Ermittlungen notwendig, bis ein Täter überführt werden kann. In den vorgestellten Fällen geht es um Kaltblütigkeit - wenn jemand zwischen theoretischer und praktischer Führerscheinprüfung mal eben einen Doppelmord begeht - und falsch verstandene Vaterliebe, um verräterische Internetrecherchen nach passenden Tötungsmethoden und falsche Alibis. Richard Thiess gibt Einblick in die schwierige Arbeit von Mordermittlern, er bezieht aber auch psychologische Aspekte ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2010
Das Buch des Leiters der 5. Mordkommission München liest Ernst Horst bestimmt nicht seinen Kindern beziehungsweise Enkeln vor. Schon die Umschlaggestaltung verheißt Blut und Tod. Von den faktentreuen, laut Rezensent mit recht ekligen Details gespickten Berichten aus den Büros der Kripo, aus der Münchener Unterwelt und der Gerichtsmedizin hat Horst selbst jedoch offenbar keine Albträume bekommen. Zum einen, weil Richard Thiess Kriminalbeamter ist und eben kein mit Spannungskurven vertrauter Literat. Zum anderen, weil die Wirklichkeit ermittelnder Schreibtischtäter dann doch langweiliger ist als im Krimi, wie Horst uns beruhigt. Daran, dass die zum besten gegebenen Vernehmungstricks für den Rezensenten interessant sind und ihm das Buch auf seine "makabre Art" wenigstens stellenweise urkomisch vorkommt, ändert das aber nichts.
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