Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunke. Kein Wort zu viel und trotzdem alles gesagt: Die letzten Erzählungen vom Meister der kurzen Form
Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der "missing link" zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter - niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2016
Christopher Schmidt liest Richard Yates' Short Stories aus dem Nachlass vor dem Hintergrund des trumpeteten "Great again" mit umso größerem Gewinn, beamen ihn die Geschichten aus dem Nachkriegsamerika mit seinem Konformismus, seiner politischen Apathie und seinem Rassismus doch direkt zurück in ein Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. So unversöhnlich zwischen Wut und Idealismus wie Yates seine Mentalitätsgeschichte schreibt, so genau fasst er laut Rezensent die kleinen Fluchten seiner Figuren aus dem bigotten Millieu eines vermeintlich besseren Amerika, darin vergleichbar einem John Cheever, meint Schmidt begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016
Rezensentin Verena Lueken könnte heulen angesichts der Geschichten von Richard Yates. Auch wenn darin immer nur Verlierer und Verlorene vorkommen, Yates gibt ihr doch das Gefühl, die Welt sei ein guter Ort, solange nur jemand so sorgfältig erzählt wie dieser Autor. Die nie zuvor in Buchform erschienenen vorliegenden neun Texte gemahnen Lueken auch an das Schicksal dieses geschmähten Autors, der seine letzten Tage in Veteranenkliniken rumbrachte. Das Personal und die Geschichten, die er dort vorfand, lernt Lueken jetzt kennen und staunt, wie viel Aufmerksamkeit der Autor ihnen widmet und ihren geschundenen Seelen und welche Poesie er ihnen abgewinnt. Nie wurde von der amerikanischen Einsamkeit brillanter erzählt als hier, meint Lueken.
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