Aus dem Amerikanischen von Petra Pyka. Börsenspekulationen, Milliardenpoker, überzogene Boni: Was im Interesse der Finanzwirtschaft erstrebenswert ist, hat für den Rest der Gesellschaft oft katastrophale Folgen. Doch das muss - und darf - nicht sein. Robert Shiller stellt seine Vision einer besseren Finanzordnung vor, in der die Märkte wieder ihre ursprüngliche Funktion erfüllen: das Kapital der Gesellschaft zu verwalten und zu mehren.
Voller Vorfreude hat sich Rezensentin Lisa Herzog Robert J. Shillers Buch mit Vorschlägen zur Verbesserung des Finanzsystems zur Hand genommen, und sie wurde "nicht enttäuscht". Der Verhaltensökonom, unter anderem deshalb renommiert, weil er die amerikanische Immobilienblase voraussagte, gibt in der ersten Hälfte seines Buches einen fundierten Überblick über das Finanzsystem und seine handelnden Protagonisten, Iobt die Rezensentin. Auch wenn dieser Teil mitunter etwas "technokratisch und apologetisch" daherkommt, findet Herzog insgesamt, dass der amerikanische Autor einen wunderbar lesbaren Stil pflegt, was in dieser Sparte ihrer Meinung nach eher die Ausnahme ist. Den zweiten Teil findet sie dann richtig fesselnd, weil Shiller hier konkrete Vorschläge zur Verbesserung macht: eine Versicherung für alle Menschen gegen den Wertverlust des eigenen Hauses zum Beispiel oder Subventionen für eine seriöse Finanzberatung. Nur das Menschenbild, das durch Shillers Zeilen hindurchschimmert und in ihren Augen allzu sehr der reinen Sicht des "Homo oeconomicus" verpflichtet bleibt, erfüllt Herzog mitunter mit Unbehagen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012
Nikolaus Piper hat die jüngsten Bücher zweier amerikanischer Ökonomen gelesen, deren Positionen zur Finanzkrise unterschiedlicher nicht sein können, wie er herausstreicht. Robert Shiller vertritt in seinem Buch "Märkte für Menschen" die Haltung, dass das beste Instrument gegen Fehlentwicklungen an der Wall Street eine "Modernisierung" des Marktes sei. Weder zeigt sich der Professor in Yale als Wall-Street-Apologet, noch verdammt er sie, stellt der Rezensent klar. Was Kapitalismuskritiker in diesem Buch "irritieren" wird, ist Shillers Ruf nach "mehr Finanzkapitalismus", die Argumente sind für Piper aber durchaus nachvollziehbar. So legt der Autor am Beispiel der verheerenden Auswirkungen des haitianischen Erdbebens von 2010 dar, wie viele Menschenleben es gekostet hat, dass die meisten Gebäude nicht versichert waren und deshalb die Versicherungen auch nicht dafür gesorgt haben, dass Bauvorschriften eingehalten wurden, erklärt der Rezensent. Funktionierende Versicherungs- und damit Finanzmärkte sind deshalb dem Autor ein Anliegen, so der Rezensent, der hier nicht nur über Finanztechnik gelesen hat, sondern auch ein moralphilosophisches Werk in Händen hält, wie man es von den "Ökonomen der Klassik" kennt.
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