Erstmals wird der Umgang der Versicherungswirtschaft mit den Risiken der Atomenergie im Spannungsfeld zwischen Politik und Öffentlichkeit untersucht.
Die zivile Atomkraft steht sinnbildlich für eine neue, grenzüberschreitende Dimension von Technik- und Umweltgefahren im 20. Jahrhundert. Daraus ergaben sich fundamentale Herausforderungen für unterschiedlichste Bereiche moderner Gesellschaften. Besonders für Versicherungsgesellschaften eröffnete sich mit dem Anbruch des "Atomzeitalters" ein komplexes Betätigungsfeld, das an die "Grenzen der Versicherbarkeit" führte.
Christoph Wehner untersucht die nukleare Risikopolitik der Versicherungswirtschaft erstmals umfassend und bettet diese in eine transatlantische Sicherheitsgeschichte ein. Er spannt einen Bogen vom Beginn des Expertendiskurses nach 1945 über die Ausgestaltung der Risiko- und Haftungspolitik in der frühen Bundesrepublik bis zu ihrer öffentlichen Skandalisierung in den Atomkontroversen der 1970er Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2018
Guido Thiemeyer stellt fest, dass es Christoph Wehner in seinem Buch nicht so sehr um die öffentliche Diskussion der Risiken der Atomenergie geht, sondern um den Blick der Versicherungsgesellschaften auf eine neue Dimension von Risiken, die sich seriös kaum kalkulieren ließen. Laut Rezensent zeigt Wehner allerdings auch, dass sich Ende der sechziger Jahre nicht die Risiken selbst, sondern ihre öffentliche Diskussion veränderte. Mit der erwachenden Protestkultur bekam die Versicherungswirtschaft ein neues Risiko hinzu. Insgesamt sieht Thiemeyer mit dem Buch die zeitgeschichtlichen Forschungen zum gesellschaftlichen Wandel Anfang der siebziger Jahre bestätigt.
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