Robert Misik

Erziehung zur Grausamkeit

Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus
Cover: Erziehung zur Grausamkeit
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518128428
Gebunden, 200 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

In Brechts Mann ist Mann aus dem Jahr 1926 wird erprobt, ob man Menschen mitsamt ihrer Einstellungen beliebig formen kann. Der Arbeiter Galy Gay wird binnen einer Woche in eine gefühllose Kampfmaschine der britischen Kolonialarmee "ummontiert". Keine zehn Jahre später geschah genau das im nationalsozialistischen Deutschland mit einer ganzen Gesellschaft. Im Zuge der Eskalation des Rechtspopulismus zum Rechtsradikalismus und schließlich zu einem neuen Faschismus vollzieht sich vor unseren Augen etwas ganz Ähnliches. Akteure wie Trump und ihre medialen Verstärker bombardieren ihre Gefolgsleute mit einem Trommelfeuer von Skandalisierungen, Häme und Hass. Die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem zelebriert einen Kult der Kälte, Björn Höcke träumt von "wohltemperierter Grausamkeit". Um zu verstehen, wie diese Agitation die Anhängerschaft verändert, befasst Robert Misik sich mit sozialpsychologischen Einsichten von Freud, Adorno und Leo Löwenthal. Er ergänzt sie um hochaktuelle Forschungsergebnisse und zeigt, wie Menschen zur Bestialität erzogen werden können.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.08.2026

Der Hass der Rechten kommt nicht aus dem Nichts - das ist für Kritiker Günter Kaindlstorfer die zentrale These von Robert Misiks neuem Buch. Der Neue Faschismus erzieht seine Jünger mit einem "Trommelfeuer aus Angst, Ressentiment und haarsträubenden Verschwörungserzählungen", dass sei abstumpfen lässt. Misik beruft sich auf Forscher wie Freud, Adorno oder den Soziologen Leo Löwenthal: der Kritiker kann hier lernen, dass die Agitation wie eine "umgekehrte Psychoanalyse" funktioniert und alles Neurotische nicht besänftigt, sondern in Hass und Aggression verwandelt - dass Leute wie Trump bewusst jeden Anstand vergessen, wird dann als Ehrlichkeit interpretiert. Misik erklärt dem Rezensenten, dass Tabubrüche unter Trump- und AfD-Anhängern Gemeinschaftgefühle stiften. Die Aussagen, die Misik als Beispiele anführt, sind teilweise ziemlich harter Tobak, da muss der Kritiker manchmal schlucken. Misiks Buch ist klug, konzise und überzeugt durch die Verbindungen von Faschismustheorie und Psychologie. So erklärt er für Kaindlstorfer nachvollziehbar, wie Anhänger Rechten an ihrer eigenen Radikalisierung mitschreiben.

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