Roberto Bolano

Telefongespräche

Erzählungen
Cover: Telefongespräche
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446205260
Gebunden, 234 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Ein Mann ruft eine alte Flamme an, sie treffen sich wieder, trennen sich erneut, telefonieren noch ein paarmal miteinander. Dann wird die Frau ermordet: von einem ehemaligen Liebhaber, der sie mit anonymen Anrufen belästigt hat. In seinen traurigen und schrecklich komischen Geschichten entführt uns Roberto Bolano immer wieder in die Labyrinthe des Lebens: entlang der Grenze zwischen Fiktion und Realität.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004

Diesem Roberto Bolano mangelt es weder an "Erzähltemperament" noch an "Geschichtenerfindungsgabe", konstatiert ein recht zufriedener Ijoma Mangold, der sich der "Telefongespräche" angenommen hat. Die Geschichten des Erzählbandes, der in Spanien bereits 1997 erschienen ist, spielen in Spanien, Mexico, Chile, Russland oder in den USA und drehen sich bevorzugt um Schriftsteller, vor allem der mittelmäßigen Sorte. Mit dem mediokren Literaten habe der im letzten Jahr verstorbene Schriftsteller einen anthropologischen Typus geschaffen, "wie er sonst nur im Aufsteiger, im Außenseiter oder im Hochstapler vorliegt", ausgestattet mit Plänen, die sein Können übersteigen und ein entsprechendes Potenzial der Enttäuschung mit sich bringen. Bolanos Bücher kennen "weder den heroischen Kitsch noch die inszenierte Übersinnlichkeit" des Magischen Realismus eines Garcia Marquez oder Varga Llosa, und dennoch sind sie in Wahrheit viel verrückter, undurchdringlicher und undeutbarer, findet der Kritiker. Von Bolanos deutschen Verlagen Hanser und Kunstmann wünscht er sich, sie mögen dessen im Spanischen gut zwei Dutzend Bände umfassendes Werk "möglichst gründlich", will sagen zahlreich in Deutschland publizieren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Wehmütig ist Martin Krumbholz nach Roberto Bolanos "packenden Erzählungen" zumute, in denen es um viel Schlimmes geht, um Trennung, Abschied, Tod. In den meisten Stücken geraten die Leben der Protagonisten außer Kontrolle und enden in der Katastrophe, "bei aller Tristesse" findet sich aber auch so etwas "Wunderbares" wie die Hymnen auf die Freundschaft, die aber erst zur Sprache kommt, wenn sie schon unwiederbringlich verloren ist, so unser Rezensent. Bolano "beherrscht viele Genres", und er liebt Anspielungen auf die Absurditäten des Literaturbetriebs, notiert Krumbholz. So geht es etwa in der ersten Erzählung des Bandes, in ihrer "spröden Herzlichkeit eine seiner schönsten", um einen argentinischen Schriftsteller, der sich durchschlägt, indem er an möglichst vielen Literaturwettbewerben teilnimmt, und dies mit einer Reihe von Standardstücken, bei denen er von Wettbewerb zu Wettbewerb nur die Titel ändert!

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

Seiner euphorischen Besprechung nach zu urteilen hat Franz Haas jedes einzelne der "furiosen" "Telefongespräche" gelesen. "Grandios beiläufig zwischen Komik und Grauen" erzähle Bolano seine Geschichten, wobei er immer wieder Material aus seinem eigenen bewegten Leben einbaue, sei es das Mexiko zur Zeit der unterdrückten Revolte von 1968, Chile während des Pinochet-Putsches oder Barcelona, wo Bolano bis zu seinem Tod lebte und überlebte. Bei allem politischen und historischen Hintergrund bleibt Bolano dabei "immer dicht am Individuum", notiert Haas. Zugleich ein "poetischer Zeichner" wie ein "intellektueller Raufbold", nimmt der Schriftsteller dabei auch gerne Kollegen aufs Korn. Abgeschlossen werde der Band durch vier ganz unpolitische Frauenporträts von "desolater Schärfe". Das letzte Stück beleuchtet mit "stupender Kraft und Geschwindigkeit" auf dreißig Seiten die Lebensgeschichte einer jungen Amerikanerin, aber so dicht, schwärmt der Rezensent, dass er danach das Gefühl hatte, einen Roman von 300 Seiten hinter sich zu haben.

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