Aus dem Englischen von Gabriele Gockel und Sonja Schuhmacher. Rogers Brubaker, der sich mit seinem Buch über "Staats-Bürger" in Deutschland und Frankreich einen Namen gemacht hat, beschränkt sich nicht auf den Hinweis, dass ethnische Gruppen soziale Konstruktionen sind. Er zeigt, dass Ethnien oder andere gesellschaftliche Gruppen gedacht und gemacht sind, wie und wann dies geschieht und vor allem wann und warum dies erfolgreich ist oder auch nicht. Brubaker kritisiert einerseits eine volkstümliche Soziologie, die dem Gruppismus verfallen ist und das zum Mittel zur Erklärung der sozialen Welt bemüht, was selbst erklärt werden muss. Andererseits fordert er die konstruktivistische Soziologie auf, von der kognitiven Psychologie und der Ethnologie zu lernen, indem sie Ethnizität als ein kognitives Phänomen begreift, als eine Weise, die Welt zu sehen und zu deuten. Eine Soziologie jenseits des Gruppismus würde dann nicht mehr fragen "Was ist eine Ethnie?", sondern "Wie, wann und warum wird ethnisierend gedeutet?".
Grundsätzlich einleuchtend und anregend findet Rezensent Andreas Eckert die in diesem Buch formulierte Einsicht, dass ethnische Gruppen nicht zwingend naturgegeben, sondern mitunter auch menschengemacht sind. Trotzdem kann ihn das Unternehmen des in Los Angeles lehrenden Soziologen nur teilweise überzeugen, mit der vorliegenden Aufsatzsammlung diesem "allgegenwärtigen Gruppismus" dynamischere Konzepte entgegenzustellen. Denn aus seiner Sicht erliegt Roger Brubaker erstens diesem "Gruppismus"mitunter selbst. Auch seien seine Argumente nicht immer neu, biete er nicht wirklich gangbare Alternativen an. Die schwere Lesbarkeit ist ein weiterer Minuspunkt dieser Texte, deren Thesen und Auseinandersetzungen der Rezensent nichtsdestotrotz insgesamt großen Scharfsinn bescheinigt und die ihm erhellende Einsichten in eine hierzulande noch unterbelichtete Thematik bieten konnten.
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