Aus dem Französischen von Mira Köller. Vom 18. Dezember 1978 an veröffentlichte der Nouvel Observateur eine Chronik, die bis Ende März 1979 auf 55 Fragmente anwuchs. Ihrem Autor, Roland Barthes, ging es weniger um die Beurteilung "weltbewegender" Tagesereignisse als um die Kleinigkeiten, die ihn direkter betrafen. Auch sie eine "Chronik der Gefühle", diesmal nicht monumental wie die Alexander Kluges, sondern minutiös. Barthes legt in seiner Chronik wöchentlich Rechenschaft ab über die Vorfälle, die ihn aufmerken ließen, gleich wie "unscheinbar, flüchtig und unbedeutend" sie auch sein mochten, den Vorwurf in Kauf nehmend, nur von "Nichtigkeiten" zu berichten.
"Es gibt Menschen, die sind in die Macht verknallt, und andere, die sind es in die Ohnmacht", räsoniert Franz Schuh zu Beginn seiner Besprechung der Bartheschen Chronik. Außerdem gebe es noch die, deren Ekel vor der Macht recht pompös daherkomme. Roland Barthes' schmales Bändchen steht im Zeichen einer ganz sanften Ohnmacht und umfasst Texte, die Barthes von Dezember 1978 bis März 1979 für den Nouvel Observateur geschrieben hat, lauter kleine Stücke, Pointen und Besinnlichkeiten, zu den Dingen am Rande des Weltgeschehens. Nichts werde in ihnen durchdrungen, nur leicht berühre Barthes seinen Gegenstand, schreibt Schuh, der jedoch versichert, dass diese Leichtigkeit keinen Verlust an Tiefe oder Aussagekraft bedeute.
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