Wie bunt, wie grau, wie erotisch, wie gefährlich? Waren wirklich Honecker und Krenz, Braunkohle- und Zweitaktgerüche, Krippe, FDJ und Jugendweihe die bestimmenden Größen? Der Ungarn-Urlaub? Oder die Suche nach der richtigen Jeans? Wie sah es hinter den heute bekannten Klischees aus?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2002
Einen "Querschnitt durch ostdeutsche Sozialisation" der siebziger und achtziger Jahre bietet nach Ansicht von Rezensentin Stefanie Peter die von Roland Koch herausgegebene Anthologie "Der wilde Osten", die sechsundzwanzig Texte von Schriftstellern und Schriftstellerinnen versammelt, die zwischen 1965 und 1979 in der DDR geboren sind und dort aufwuchsen. Vor allem Volker Altwassers Erzählung "Prag" hat es der Rezensentin angetan. Seine Schilderung des zwischenmenschlichen Desasters trage Züge jenes "ausgeprägten ostdeutschen Neorealismus", den beispielsweise Andreas Dresens Film "Halbe Treppe" so meisterhaft vorführe. Die meisten Geschichten des Bandes handeln laut Peter von Rico, Rocco, Ronny, Krischi, Martel oder Anna-Resa, von Kinderzimmergemütlichkeit, geschiedenen Eltern, dem Hort, von blauen Pionieruniformen, Kosmonauten, Pubertät und von Dingen, die man nur im Intershop bekam. Zu ihrem Bedauern sind nicht alle Texte des Bandes so gelungen wie der von Altwasser. Dennoch hält sie den Band für alle, die bisher noch nicht mit aktueller Gegenwartsliteratur aus Ostdeutschland in Kontakt gekommen sind, für "durchaus lesenswert."
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