In einer Demokratie geht alle Macht vom Volk aus. Doch für immer weniger Menschen ist dieser Grundsatz reale Erfahrung: Sie fühlen sich von "denen da oben" schlecht regiert, ihre Belange scheinen bei politischen Entscheidungen keine Rolle zu spielen. Roland Roth plädiert für ein neues Verhältnis zwischen Staat und Bürgern: Nur das Wissen und das Engagement der Vielen macht unsere Gesellschaft zukunftsfähig. Das Unbehagen an der politischen Alltagspraxis ist weitverbreitet. Zugleich aber engagieren sich Bürgerinnen und Bürger mehr denn je in Initiativen und Projekten überall dort, wo sie den Eindruck haben, Gesellschaft wenigstens im Kleinen mitgestalten zu können. Damit ist viel gewonnen, aber lange nicht genug, stellt der Sozialwissenschaftler Roland Roth fest. Das Prinzip der repräsentativen Demokratie stößt an seine Grenzen, nötig ist eine strukturelle Aufwertung der Bürgerbeteiligung. Voraussetzung dafür ist eine veränderte Haltung auf beiden Seiten: Die Bürgerinnen und Bürger müssen selbstbewusst neue Wege der Mitgestaltung einfordern, die Politik muss bereit sein, die Kompetenzen der Bürger anzuerkennen und Macht zu teilen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.09.2011
Stephan Hebel raucht der Kopf, bei all den "Zukunftswerkstätten, Planungszellen und Bürgerforen", die der Magdeburger Politikwissenschaftler Roland Roth in seinem Buch vorschlägt, um damit den Begriff "Bürgerbewegung" nochmal neu und von unten zu formulieren. Gegenüber dem "Oben", den demokratischen Institutionen, ist Roth misstrauisch und hält wenig von Schlichtungsendscheidungen wie bei Stuttgart 21. "Repräsentativer Absolutismus", sei das, meint Roth. Dem Rezensenten scheinen solche Begriffe unangemessen, aber einer "Streitschrift" will er sie gerade noch zugestehen. Abgesehen davon lobt Hebel Roths differenzierte Vision einer Bürgerbewegung in der Zukunft. Die Bereitschaft sich politisch zu engagieren, hänge mit sozialer Situation und Bildungsgrad zusammen, so Roths These. Keine revolutionäre Erkenntnis, findet Hebel, aber trotzdem eine wichtiger Hinweis auf die soziale Dimension von "Teilhabe".
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