Roman Herzog hat die Verfassung und die Verfasungswirklichkeit von den verschiedensten Seiten und Blickwinkeln kennengelernt. Deshalb ist er wie kein zweiter berufen, das Grundgesetz und seine Umsetzung in die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Er tut dies pragmatische und für jedermann verständlich - ein seltener Glücksfall für politisch interessierte Leser.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.08.2000
Thilo Ramm erläutert zunächst einmal in aller Ausführlichkeit, wieso es hierzulande kaum einen berufeneren Menschen für eine solche Abhandlung gibt als Roman Herzog - um letztlich jedoch guten Gewissens in einen Verriss einzubiegen. In erster Linie kritisiert Ramm die Zurückhaltung Herzogs in Bezug auf Reformen. Zwar führe Herzog in der Tat einige Probleme auf, jedoch reagiere er häufig darauf eher mit einer Art "achselzuckender Hinnahme des Gegebenen" und mit den Hinweis, dass Reformen oft nicht so leicht durchzuführen seien wie angenommen. Schade findet Ramm es darüber hinaus, dass hier die "Sekundärreformen" stärker im Mittelpunkt stehen als die "prinzipielle Auseinandersetzung mit einer Verfassung". Was den Inhalt betrifft, so hätte sich der Rezensent vor allem eine stärkere Behandlung von Problemfällen gewünscht. Als Beispiel nennt er unter anderem die demographische Entwicklung, die der Herabsetzung des Rentenalters entgegen steht oder auch die Politikverdrossenheit der Bürger.
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