Hans Kohn gilt bis heute als einer der Gründungsväter der akademischen Erforschung des Nationalismus. Als "Kohn-Dichotomie" gingen seine Überlegungen in die internationale Forschung ein. Ausgehend von den Kategorien "Ost" und "West", die weniger als geographische Begriffe, sondern vielmehr als Metaphern zu verstehen sind, unterschied Kohn zwei Formen des Nationalismus: Der westliche Typ beruhe auf den Ideen der Aufklärung des 18. Jahrhunderts und ziele letztlich auf die Einheit der Welt in der Vielfalt. Der östliche Typ hingegen lehne die Aufklärung ab und verkörpere daher irrational und romantisch eine exklusive Weltsicht. Doch Hans Kohn war mehr als nur ein Theoretiker des Nationalismus: Bis zum Ende der 1920er Jahre hatte er sich zu einem der führenden Ideologen und gestaltenden Repräsentanten des deutschsprachigen Zionismus entwickelt, der sich für einen binationalen jüdisch-arabischen Staat in Palästina aussprach.
Klaus Hillenbrand bedauert ein wenig, dass Romy Langeheine in ihrer Biografie über den Nationalismusforscher Hans Kohn dessen private Lebensverhältnisse weitgehend auslässt und sich auf die intellektuelle Entwicklung und Suche Kohns nach einer eigenen nationalen Identität beschränkt. Weil die Autorin letzterer aber in all ihren ideologischen Wendungen folgt und sie Kohn allemal vor der Vergessenheit rettet, empfiehlt Hillenbrand den Band.
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