Als "Diktator im Geheimen" wurde er von Zeitgenossen charakterisiert: Heinrich Claß. Über 30 Jahre war er Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes. Er galt bereits zu seinen Lebzeiten als einer der wichtigsten Exponenten im Netzwerk rechtsnationaler Verbände und völkischer Vereine. Ihm sagte man im ausgehenden Kaiserreich, während des 1. Weltkrieges und in der Weimarer Republik einen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger nach. Als Verfechter der kolonial- und weltpolitischen Machtutopien des radikalen Nationalismus verurteilte Claß die Politik der Reichskanzler nach Bismarck als Aufgabe einst postulierter Machtansprüche. Wie andere Angehörige der "wilhelminischen Generation" war er geprägt von dem um die Jahrhundertwende aufkommenden rassistischen Ordnungsdenken. Auf dieser Grundlage forderte er die grundlegende Neugestaltung der deutschen Gesellschaft nach dem Ideal eines rassisch homogenen Kollektivkörpers: der "Volksgemeinschaft".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2012
Keinen Schimmer von den Alldeutschen und ihrem Vorsitzenden Heinrich Claß? Macht überhaupt nichts, beruhigt Henning Köhler, der auch nicht mehr so recht weiß, warum er sich diese Lektüre eigentlich angetan hat. Die ermüdende und umständliche Breite, mit der der Autor Johannes Leicht die politischen Aktivitäten und ideologischen Verbohrtheiten des Altdeutschen Verbands schildert, waren es sicher nicht. Über das Innenleben des Verbands und die Gründe für seine scharfe Verurteilung durch die Geschichtsschreibung erfährt der Rezensent viel zu wenig. Die Bemühung des Autors, eine Kontinuität zum Nationalsozialismus herzustellen, die laut Köhler schlicht nicht bestanden hat, findet er mehr als überflüssig.
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