Maxim Kantor

Rotes Licht

Roman
Cover: Rotes Licht
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2018
ISBN 9783552058538
Gebunden, 704 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Juri Elperin, Sebastian Gutnik, Olga und Claudia Korneev. Solomon Richter dämmert in einem Moskauer Vorstadtkrankenhaus dem Tod entgegen. Aus dem Fernseher tönen Berichte über die Kämpfe im Donbass. Ein wenig Zeit bleibt dem betagten Historiker noch, um sich die eigene Geschichte und die eines ganzen Jahrhunderts ein letztes Mal vor Augen zu führen. Am Beispiel von drei Generationen zeichnet der russische Künstler Maxim Kantor das exzessive Panorama einer aus den Fugen geratenen Zeit. Als ein Mephisto über allen Zeiten und Geschehnissen steht die Figur des Ernst Hanfstaengl, einer von Hitlers frühen Förderern. Von der russischen Revolution bis zum Ende der UdSSR, vom Aufstieg Hitlers bis zu Putins Krieg auf der Krim: ein gewaltiger Roman eines gottverlassenen Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2018

Rezensentin Nicole Henneberg hat mit Maxim Kantors Roman "Rotes Licht" ein "gigantisches Drama" der russischen Geschichte gelesen. Vom Scheitern der Revolution über Stalins Terror und den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Ukraine-Krieg erzählt ihr Kantor meist faktengesättigt, gelegentlich fiktional ausgeschmückt, vor allem aber sprach- und bildgewaltig. Im Mittelpunkt steht Solomon Richter, eine "Hommage" an Kantors Vater, wie die Kritikerin verrät, und dieser Mann lässt das russische Jahrhundert auf dem Sterbebett Revue passieren. Den politisch-philosophischen Essayisten Kantor spürt die Rezensentin in diesem Roman ebenso wie den begnadeten Autor: Insbesondere die mal "grausam", mal "märchenhaft" erscheinenden Kriegsszenen haben Henneberg nachhaltig beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2018

Katharina Granzin kommt mit der Unüberschaubarkeit in Maxim Kantors Roman gut zurecht, auch wenn der Autor mit seinem Blick auf das ganze vergangene Jahrhundert einen weiten historischen Raum eröffnet, einen Haufen Figuren aus mehreren Generationen einführt und auf verschiedenen Zeitebenen erzählt (das heutige Moskau der Oligarchen und die 1930er und 1940er Jahre des stalinistischen Terrors stehen im Zentrum). Im Vermischen all dessen ist der Autor groß, findet Granzin. Was der Text behandelt, hätte ihrer Meinung nach für mehrere Romane, historische Abhandlungen und philosophische Essays gereicht. Wie Kantor absurde Dialoge und trockene Fakten vermengt, erinnert Granzin mal an Volksmärchen, mal an Kolportage, mal an einen Thesenroman.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2018

Achim Engelberg rät, das Werk Maxim Kantors als Zusammenspiel von Bild, Erzählung und Essay zu betrachten. In der Verbindung von Malerei und Erzählung, Realismus und Fantastik liegt seine Einzigartigkeit, meint er. Das Ziel des Autors erkennt er darin, moralisch aufklärerisch auf die Gesellschaft zu wirken. Der russische Traum von kritischer humanistischer Intelligenz, so Engelberg. Aufstieg und Fall des Kommunismus, Stalins Terror, den Zweiten Weltkrieg, Perestroika, Zerfall der Sowjetunion, Putin, das seien die Themen des Buches, die der Autor gern opulent auftrage, mitunter allzu opulent und geschichtsphilosophisch spekulativ, erklärt der Rezensent.

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