Zwei Freunde begegnen sich nach Jahren durch Zufall wieder. Der eine glaubt noch immer an die große Liebe. Er hat sie inzwischen erlebt: in Ostberlin. Der andere sucht weiterhin nichts als flüchtige Abenteuer. Und schon sind beide wieder mitten im Duell...
Traurig und komisch, tiefsinnig und amüsant, kurz: einfach "schön" fand Rezensent Jörg Sundermeier diesen Roman, dessen Hauptfiguren seinen Informationen zufolge der Mozart/da Ponte Oper "Don Giovanni" entlehnt und in unsere Zeit transportiert worden sind. Erzählt werde die Geschichte zweier Männer, die sich einst wegen einer Frau zerstritten. Jahre später begegnen sie sich wieder - beide inzwischen Manager und esoterisch angehaucht. In dem Duell, das sich zwischen beiden nun um gültige Lebensweisheiten entspinnt, macht Autor Rudolf Bussmann die Kombattanten für den Geschmack des Rezensenten zwar manchmal klüger, als sie sind. Doch Sundermeier mag die Fragestellungen des Romans, ob beispielsweise die große Liebe oder das Managerdenken esoterischer ist. Auch gefällt ihm die Ironie der Figurenzeichnung. Am schönsten findet er die Passagen, die in der DDR spielen, wohin einer der beiden seiner sterbenden Geliebten gefolgt ist, die dann zusammen mit der DDR an Krebs zu Grunde geht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.01.2007
Rudolf Bussmann habe ein "Duell" zweier Lebenseinstellungen in Szene gesetzt, berichtet Rezensentin Barbara von Becker vom Konkurrenzkampf zweier in die Jahre gekommener Schulfreunde. Hier der exaltierte Lebenskünstler mit einem Hang zu "bedeutungsschwerer Metaphorik" und großen Idealen, dort der pragmatische, aber auf jedem Feld erfolgreiche Langeweiler. Während der Rezensentin die sprachliche "Verschrobenheit" des Künstlerfreundes und seine mitunter peinlich klischeehaften Lebensweisheiten ziemlich grenzwertig erscheinen, lobt sie einen klaren Stilwechsel, sobald dieser zu einer Geliebten in die DDR reise. Plötzlich schreibe der Autor mit "klaren Strichen" und präsentiere ein "beklemmendes" Bild des Lebens in der Diktatur. Eine Geschichte der "Lebenskrisen" und "rettenden Zufälle", so die Rezensentin, wäre eine weitere Beschreibung des Romans.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2006
Einen fulminanten Auftakt bescheinigt Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger dem Roman, der sich allerdings in zu viele Geschichten verästelt, die sich schließlich gegenseitig "entwerten" würden. Die große Liebe zur später an Krebs sterbenden Ostberliner Fotografin Kezia mit ihrem Höhepunkt zur Zeit des Mauerfalls verträgt aus Sicht der Rezensentin weder nachfolgende Liebesgeschichten noch die "Firmengeschichte" der Hauptfigur Ottavio. Während der Autor die Liebe zu Kezia vielschichtig und "reizvoll" erzählt, bemängelt die Rezensentin bei der Sprache zum Seelenleben Ottavios eine gefährliche Neigung zur "Melodramatik". Allerdings passt diese wiederum, muss Beatrice Eichmann-Leutenegger anerkennen, gut zur sterbenden und wunderschönen Kezia-Figur.
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