Mit Zeichnungen von Yves Netzhammer. Die vielfach geforderte Freiheit des Einzelnen, Kunst nach eigenem Gutdünken zu rezipieren, zu genießen, aber auch zu produzieren und damit zu definieren, ist heute weithin Realität geworden. Wir leben im Zeitalter der Laienherrschaft in den Künsten und den mit ihnen verbundenen Medien: einem Regime, das auf der Dynamik der Massen-Individualisierung und dem Kontrollverlust etablierter Autoritäten beruht, in dem jede Geltung relativ ist und die Demokratisierung in ihrer ganzen Ambivalenz zum Tragen kommt. Die Essays und Interviews des Bandes kreisen um die Figur des Kulturpublizisten. Wie wirken Ökonomisierung und Digitalisierung auf sein Selbstverständnis ein? Wie sieht es mit der gegenwärtigen Rollenverteilung zwischen Publizist und Künstler aus? Wie verhält sich der Publizist gegenüber dem immer eigenmächtiger auftretenden Rezipienten? Der zeitgenössische Kulturpublizist tritt als Diskursproduzent und als Weitererzähler flüchtiger Wahrnehmung auf; doch auch als Interpret, der als Leser und in diesem Sinne als "Laie" seine Stimme entwickelt - jenseits aller Reinheits- und Absicherungsgebote, die etwa die Wissenschaft aufstellt. Eine Kultur des Interpretierens als eine von der Laienperspektive her gedachte Kultur der Subjektivität, der Aufmerksamkeit, der Sprache und der Auseinandersetzung mit den Künsten ist in Zeiten der Digitalisierung eine unschätzbar wertvolle, omnipräsente und zugleich bedrohte Ressource.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2014
Anregend findet Christian Saehrendt diesen von Ruedi Widmer herausgegebenen Sammelband über die neue Laienherrschaft in der Kulturpublizistik. Die Beiträge des Band setzten sich nach Ansicht des Rezensenten klug mit dem Phänomen auseinander, dass der Kunst- und Kulturkritiker alten Schlags zunehmend an Bedeutung verliert, während der laienhafte Zugang zur Kunst etwa in sozialen Netzwerken und Blogs immer populärer wird. Saehrendt hebt in diesem Zusammenhang die Meinung des Herausgebers hervor, eine neue Epoche der "Laienherrschaft" in der Kunstkritik sei angebrochen. Zum Glück bleibt es nicht bei dieser für den Rezensenten bestürzenden Diagnose. Tröstlich findet er nämlich die Ausführungen darüber, dass trotz der konstatierten Entwicklung der Fachkritiker nicht ganz überflüssig geworden ist.
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