Friedrich Schiller: mit seinem hageren geplagten Körper, der Denker unter den Dichtern, denkmalsreif schon zu Lebzeiten. Schiller, der wortmächtige Anwalt der Sprache im Kulturprozess seiner Zeit. Er verstand sich auf atemvolles Herleiten von Gedanken, ging schreibend ihren Windungen nach und dichtend in seine Charaktere ein; aber er liebte auch das Pointierte, das verletzend sein konnte. Entsprechend spitzt auch dieses Buch Gedanken zu, verweist auf Bilder aus dem Lebensumfeld Schillers und entwirft Szenen aus diesem Leben. Schiller war der Dichter der Freiheit. Wie frei war er selbst? Wie frei sollen oder dürfen wir uns im Umgang mit ihm fühlen? In diesem Buch interessieren die Facetten dieses dichtenden Denkers und vielschichtigen Menschen, das Oszillieren zwischen maßvollem Sprechen und riskierter Lippe, Liebesverlangen und Abstraktion, Kulturkritik und Kulturentwurf. Denn Schiller war keine Gipsbüste, sondern ein intellektueller Provokateur, auffahrend, oft nur mühsam sich beherrschend, dann wieder ganz Musensohn oder deren Geliebter.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2009
Ganz verzückt scheint Ursula Pia Jauch von Rüdiger Görners Schillerbuch, in dem er "Szenen, Gedanken und Bilder" rund um das Leben Schillers versammelt. Von der darin abgebildeten Kniebundhose, die auf die Rezensentin wie eine "Kinderspielhose" wirkt, sieht sie sich ohne Umwege auf Schillers Spieltheorie gebracht. Die Erzählung Goethes über die Schreibtischschublade voller fauler Äpfel, ohne deren Geruch Schiller angeblich nicht arbeiten konnte, mutet ihr wie ein Widerhall von dessen "Kopfmelodien" an. Ein wunderschöner Band, der nicht zuletzt über die Dinge, mit denen der Dichter sich umgab, mitten hinein in seine Gedankenwelt führt, wie Jauch schwärmt.
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