Dieses Buch beleuchtet die wechselvollen Relationen und Allianzen zwischen Populärkultur und mikropolitischen Widerständen und versucht, Grundzüge einer neuen Subkulturtheorie zu skizzieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2001
Richard Kämmerlings bespricht in einer Doppelrezension zwei Bücher, die sich mit der Theorie von Pop-Musik beschäftigen. 1.) Rupert Weinzierl: "Fight the Power!" (Passagen Verlag) Nach Kämmerlings handelt es sich bei diesem Buch tatsächlich um so etwas wie ein "politisches Manifest", denn hier wird, wie der Leser erfährt, Pop-Musik unter kapitalismuskritischen Gesichtspunkten untersucht. Dem entsprechend komme Rainald Goetz in diesem Buch nicht gut weg, weil dessen "bedingungsloser 'Konsumismus' den herrschenden Mächten in die Hände spiele". Nach Kämmerlings scheint für den Autor Pop-Musik stets mit einem Mindestmaß an Subversion einher zu gehen, was den Rezensenten zu ein paar ironische Bemerkungen veranlasst: So fühle sich der Leser viel weniger in einem Club als eher auf der "Erstsemesterfete des marxistischen Studentenbunds". 2.) Jochen Bonz (Hrsg.): "Sound Signatures" (Suhrkamp) Dieser Sammelband erscheint dem Rezensenten wie ein "Sampler, der selber Pop sein will". Kämmerlings deutet an, dass der Leser tiefschürfende Pop-Theorien hier nicht erwarten kann. Wesentliches Charakteristikum dieses Buchs scheint für ihn das "Wollen" zu sein: Ein Teil des Phänomens Pop sein wollen, den Idolen so nah wie möglich sein wollen. Das erklärt nach Ansicht des Rezensenten auch, wieso es im Inhaltsverzeichnis von Pop-Stars nur so wimmelt. Ein paar Theorien gibt es dann aber doch noch, verrät Kämmerlings: Etwa wenn Matthias Waltz in Pop und Techno "zwei grundverschiedene 'Topographien des Begehrens'" erkennt oder auch Unterschiede in beiden Musikrichtungen, was die Bedeutung von Sex betrifft, ausmacht. Kommentieren mag der Rezensent dies nicht näher.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.12.2000
Elke Buhr beschreibt das Buch als eine Art "Update der Subkulturtheorie" am Beispiel der österreichischen Gruppe "Volkstanz.net", die "die samstäglichen Anti-FPÖ-Parties auf dem Heldenplatz organisiert" haben. Weinzierl modifiziere den Subkultur-Begriff, wie er von den cultural studies geprägt wurde, mit den neuesten Erkenntnissen "aus dem Hause Beck und Co": Statt ihre Klassen- und Schichtzugehörigkeit, die etwa für Mods und Punks noch entscheidend waren, zu betonen und in die große Verweigerung umzumünzen, sind die heutigen Subkulturen eher "Style-Surfer" mit einem pragmatischen Verhältnis zum Mainstream, eben nicht mehr Subkultur, sondern "substream", referiert Buhr etwas gelangweilt die Thesen Weinzierls. Falsch findet sie das alles offenbar nicht, aber dass Weinzierl seine Untersuchung mit gerade mal 43 ausgewerteten Fragebögen empirisch unterfüttert, kommt ihr doch ein wenig lächerlich vor. Überhaupt nicht gefallen hat ihr der zweite Teil des Buchs, indem der Autor die `Geheimgeschichte des Pop` erzählt und dabei dem "Geniebegriff" huldigt (kein Punk ohne Iggy Pop etc.). Hier errichtet das Buch nur wieder "Heldendenkmäler" statt Gesellschaftsgeschichte zu schreiben, bemängelt Buhr.
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