Die erste ganze Aktenanalyse, das erste Buch zu Pommerenke überhaupt. Der Fall des "badischen" Frauenmörders Heinrich Pommerenke in den späten 50er Jahren: ein einzigartiges Stück deutscher Kriminal- und Zeitgeschichte. In vielerlei Hinsicht: eine aufwühlende, einem schier den Atem verschlagende Lektüre. Wie konnte ein Mensch Kinder lieben und Kinder überfallen? Wie konnte ein schüchterner Gelegenheitsarbeiter 65 fürchterliche Verbrechen begehen und zum Alptraum eines ganzen Landes werden? Wie konnte ein Mensch jede Nacht Jagd auf Frauen machen und dann aber jeden Tag für seine Opfer beten? Wie konnte solch ein Mensch hinter Gittern denn vergessen werden? Oder wie und warum können Menschen Heinrich Pommerenke, dem Mörder, der zu insgesamt 156 Jahren Haft verurteilt wurde, auf einer Feier allen Ernstes und guten Gewissens das Geburtstagsliedchen singen: "Wie schön, dass Du geboren bist"? Und ja: Wie überhaupt konnte ein Mensch 50 Jahre Gefängnis überleben?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2011
Anerkennend äußert sich Rezensent Peter-Philipp Schmitt zu Thomas Alexander Staisch' Portärt des Frauenmörders Heinrich Pommerenke, der im Dezember 2008 nach fast 50 Jahren Gefängnis starb. Er attestiert dem Autor, eine Fülle von Material akribisch recherchiert und mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen zu haben. Deutlich wird für ihn, dass Pommerenke ein brutaler Mörder, aber auch ein Justizopfer war. Er hebt hervor, dass Staisch den Menschen hinter dem Frauenmörder sichtbar machen will, ohne dessen Taten zu verharmlosen. Das scheint Staisch auch gelungen zu sein, denn Schmitt würdigt das Buch als "faszinierendes Psychogramm". Allerdings gibt es Abzüge wegen der unchronologischen und generell unstrukturierten Darstellung, die ihm das Lesen erschwert hat. Auch ein Personenregister fehlt ihm.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2011
Chance vertan, meint Rezensent Wolgang Janisch zu Thomas A. Staischs Buch über den Frauenmörder Heinrich Pommerenke. Anstatt dem Thrill, dem Grusel zu verfallen und Pommerenkes mystischem Geraune auch noch Platz einzuräumen, findet Janisch, hätte der Autor lieber die Causa Pommerenke untersuchen sollen, als Parabel auf Sicherheitswahn und die Unkultur des Wegschließens nämlich. Laut Rezensent geht die im Buch verschütt unter Materialwust und dem Ringen des Autors mit seinem Stil. Schade.
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Thomas Alexander Staischs Porträt des Frauenmörders Heinrich Pommerenke bei Rezensentin Ulrike Winkelmann hinterlassen. Den Ansatz des Autors, Pommerenkes grausame Taten schonungslos zu schildern und sich zugleich dem Gefangenen, der bis zu seinem Tod fast 50 Jahre im Gefängnis verbrachte, anzunähern, weiß sie durchaus zu schätzen, ebenso seine gründlichen Recherchen. Das Problem des Buchs, das eine Art "Doku-Roman" ist, liegt für die Rezensentin woanders. Darin nämlich, dass es nur so wimmelt von "verschwörerischen Querverweisen", Anspielungen und Metaphern und Gedichten. Das Ganze wirkt auf sie immer wieder "geschwollen", bisweilen unverständlich und chaotisch. Andererseits bescheinigt sie Staisch, ein "überzeugendes Porträt einer fast unwirklichen Existenz" geschaffen zu haben.
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