1945 war die Institution Gestapo zwar zerschlagen, doch die meisten ihrer Mitarbeiter lebten noch, und ihre Verbrechen wurden nunmehr erst im ganzen Ausmaß sichtbar. Wie verhielten und positionierten die Täter sich in der Nachkriegszeit? Und wie verhielt sich die deutsche Gesellschaft ihnen gegenüber? Welche Bilder machte sie sich von den Tätern? Wie ging die Justiz mit ihnen um? Wurden die Verbrechen angemessen gesühnt? So lauten die Leitfragen des Buches. Fünfzehn Autoren untersuchen diese Fragen auch an exemplarischen Einzelschicksalen von Gestapo-Angehörigen. Mit Beiträgen von Andrej Angrick, Jochen Böhler, Bernhard Brunner, Martin Cüppers, Akim Jah, Jan Kiepe, Peter Klein, Stephan Linck, Klaus-Michael Mallmann, Jürgen Matthäus, David M. Mintert, Jacek Andrzej M ynarczyk, Gerald Steinacher, Stephen Tyas und Annette Weinke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009
Der Band verfolgt die Karrieren von Gestapo-Leuten nach dem Krieg sowohl in der DDR wie in der Bundesrepublik. Eigentlich hätten sie aufgrund des "131er-Gesetzes", das die Aufnahme von belasteten Nationalsozialisten in den öffentlichen Dienst verbot, im Westen "Karrieren" gar nicht mehr haben dürfen. Freilich gab es Hintertüren und keiner stand da, so resümiert Rezensent Michael Wildt die Ergebnisse des Buches, der den Eintritt auch extrem problematischer Figuren wirklich zu verhindern versuchte. Kaum besser war die Lage in der DDR, wo die Verurteilungen sehr rasch zurückgingen und ein "Massenmörder" wie Heinrich Groth bei vollem Bewusstsein seiner Untaten als "IM" angeworben wurde. Alles richtig, meint der Rezensent, eins übersähen die Autoren in ihrer kritischen Darstellung aber doch: die Kraft der BRD-Institutionen, die auch ehemaligen Gestapo-Beamten keine andere Chance ließ, als im Sinn der Demokratie zu handeln.
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