Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2016
Rezensentin Wiebke Porombka ist ein wenig enttäuscht, dass Sabine Rennefanz den fesselnden, berührenden und nicht zuletzt aktuellen Stoff ihres Debütromans leider sprachlich nicht ganz bewältigen kann. Zwar folgt die Kritikerin interessiert und bewegt der Geschichte um die Großmutter der Erzählerin, die als polnisches Flüchtlingskind während des Zweiten Weltkriegs in den Ort kam, in dem sie den Rest ihres Lebens verbrachte, von russischen Soldaten vergewaltigt und daraufhin schwanger wurde und ihr Leben depressiv in einer unglücklichen Ehe fristete. Leider muss Porombka aber feststellen, dass dem Roman im Hinblick auf zeitliche Zusammenhänge und Erzählperspektiven ein erzählerisches Konzept fehlt. Und auch sprachlich kann die Autorin die Kritikerin nicht überzeugen.
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