Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. "Lügenleben" kann als Autofiktion gelesen werden und ist dennoch pure Erfindung: Nach Jahren steinernen Schweigens erhält der Erzähler eine Nachricht seines Vaters: "Bin im Krankenhaus". Er fliegt sofort nach Hause, um dem Vater beizustehen und um sich mit Familie und Vergangenheit auszusöhnen. Aber warum wurde er einst verstoßen, hat Angst sein Dorf zu betreten, ist in der neuen Heimat aus der ehelichen Wohnung verbannt? Am Bett seines Vaters beginnt er Rechenschaft abzulegen. Aber sein Bericht bleibt trügerisch, so lückenhaft und geschönt wie die Erinnerungen, die der professionelle Memoirenschreiber für seine Kundschaft schrieb ...
Katharina Granzin stellt fest, inwieweit sich der neue Roman von Sayed Kashua von seinen Vorgängern unterscheidet. Elegant und klug komponiert ist auch dieses Buch, meint sie, nur fehlt ihm die Leichtigkeit anderer Kashua-Romane. Über den neuen existenziellen Ernst und die Konzentration, mit denen der in den USA lebende arabisch-israelische Autor einmal mehr die autobiografisch grundierte Erfahrung des Exils und der Zerrissenheit erkundet, kann Granzin nur staunen. Den quälenden Verlust der Erinnerung macht die Geschichte um einen Ghostwriter für sie eindrücklich nachvollziehbar.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 05.04.2019
Rezensent Carsten Hueck ist tief beeindruckt von diesem Roman über einen israelischen Araber, der vor zehn Jahren in die USA emigriert war und jetzt zurückkommt, um seinen sterbenden Vater zu besuchen. Während er im Krankenhaus sitzt, wird er von Erinnerungen heimgesucht, so Hueck. Schuldgefühle spielen eine Rolle, die Gespaltenheit israelischer Araber, das Leben in Amerika, Heimat und Identität - all das verknüpft Sayed Kashua feinfühlig und poetisch, lobt Hueck, der die Hauptfigur "den großen Einsamen der Literatur" zugesellt.
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