Aus dem Amerikanischen von Michael Schmidt. Jurek Becker (1937-1997) ist einer der herausragenden deutschen Schriftsteller unserer Zeit. Von seinem ersten Roman "Jakob der Lügner" bis zur beliebten Fernsehserie "Liebling Kreuzberg" reicht die Palette seines vielseitigen Werkes. Sander L. Gilman kannte Jurek Becker seit den sechziger Jahren. Eindringlich schildert er die Kindheit im Ghetto von Lodz und in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen, die Jugend in Berlin, wie aus der Spannung zwischen verdrängtem Judentum und dem Bemühen um eine "deutsche Identität" das Grundthema in Beckers Leben und seinen späteren Romanen erwächst. Diese Lebens- und Wegbeschreibung des Wanderers zwischen den Welten und Systemen erzählt zugleich ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002
Thomas Steinfeld outet sich als Bewunderer Jurek Beckers und holt zugleich zum Rundumschlag gegen die junge Generation der Popliteraten aus, die in seinen Augen nichts zu sagen haben und einem Schriftsteller wie Becker, dessen Biografie und Bücher eng mit der Geschichte und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts verknüpft waren, nicht das Wasser reichen können. Besonders mokiert sich Steinfeld darüber, dass Becker in den neunziger Jahren der leichte Ton seiner Bücher verübelt wurde, während man sich nun geradezu in "hysterischer Leichtigkeit" überschlage, ohne aber über den Beckerschen geschichtlichen Hintergrund und Tiefgang zu verfügen. Steinfelds Ausfälle gegen die jüngere deutsche Literatur tragen zur eigentlichen Sache wenig bei: erstens nutzt die Ehrenrettung wenig, da Becker seit knapp fünf Jahren tot ist, zweitens stammt die Biografie aus der Feder eines amerikanischen Historikers, der von den Querelen des deutschen Literaturbetriebs völlig unbeleckt ist. So richtig gelungen scheint Gilmans Biografie denn auch nicht zu sein; theoretische Exkurse in die Geschichte des Judentums und mangelnde stilistische Sicherheit trüben das Lesevergnügen, räumt Steinfeld ein. Aber Becker wäre eben nicht Becker, wäre seine Biografie, so Steinfeld, nicht doch aussagekräftiger als der Biograf.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…