Biotopia
Roman

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783895611391
Gebunden, 432 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Ein eigenartiger Zufall, dass ausgerechnet Malu Jacobsen damit beauftragt wird, die Menschenrechtslage in Biotopia, der hochmodernen Vertikalfarm auf dem Tempelhofer Feld, zu untersuchen. Denn hier lebt ihre Tochter Golda, die sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, den Traum von der gemeinwohlorientierten Agrarproduktion. Biotopia versorgt seit den 2020er Jahren ganz Berlin mit ökologisch produzierten Lebensmitteln, und doch ist sich Malu sicher: Die Farm ist nicht nur der hippe Gemeinschaftsgarten, wie es auf den ersten Blick und in den Instagram-Reels scheint. Schließlich halten sich seit Jahren hartnäckig Gerüchte, hier würden Geflüchtete und Staatenlose gegen ihren Willen als unbezahlte Arbeitskräfte festgehalten. Welche Rolle spielen dabei die Betreiberfirma Sulaco oder der Tech-Konzern Ping, dessen digitaler Assistent Watson mittlerweile allgegenwärtig ist? Als Malus Nachforschungen immer deutlicher ihre Tochter Golda belasten, wird ihr klar, dass ihre Mission in Biotopia womöglich nicht die der Aufklärung ist ... In einem dystopischen Szenario denkt Sascha Reh Entwicklungen unserer Gegenwart und die Auswirkungen der technologischen Fremdsteuerung auf den einzelnen Menschen konsequent zu Ende.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 16.01.2025
Insgesamt positiv bespricht Rezensent Valentin Wölflmaier Sascha Rehs Science-Fiction-Roman, der in Berlin spielt und sich um eine Firma namens Biotopia dreht. Diese lässt als US-Enklave in Deutschland unter Anleitung eines Supercomputers Gemüse anbauen, so der Kritiker. Hauptfigur ist Malu, eine Ex-Auditorin, die ein mysteriöses Ereignis in Biotopia aufklären soll, auch ihre Tochter Golda, die in Biotopia wohnt, spielt eine Rolle. Reh entwirft hier ein dystopisches Zukunftsszenario, in dem Körper auf ihre Nutzbarkeit hin umgebaut werden, was den Kritiker an andere große Dystopien denken lässt, wie beispielsweise Margaret Atwoods "Report der Magd". Wölflmaier liest das als Kritik an einer in kollektivistische Kontrolle umschlagende Achtsamkeitskultur. All das hat nicht zuletzt aufgrund der verhandelten moralischen Ambivalenzen Schwung, findet der Kritiker, dem allerdings einige etwas altbackene Ausdrücke missfallen und der außerdem den Eindruck hat, dass Reh uns manches etwas zu ausführlich erklärt. Wenn man sich mit solchen Eigenheiten abfindet, kann diese rasante Düsterzukunft jedoch einiges Lesevergnügen bereiten, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.11.2024
Rezensentin Judith von Sternburg hat Spaß an Sascha Rehs Buch, dessen Science-Fiction-Weltentwurf keineswegs subtil und durchaus nah an unserer Gegenwart gebaut ist. Die Hauptfigur heißt Malu, ihre Tochter arbeitet in der titelgebenden Firma, die Biogemüse herstellt, das denen, die es konsumieren ein gutes Gefühl gibt, aber nicht viel mehr. Auch die zunehmend wichtige Rolle der KI im Leben der Menschen spielt eine Rolle und ältere Menschen sollen sich einer sogenannten Demissionsberatung unterziehen, was auf erpressten Freitod zwecks Ressourcenschonung hinausläuft: Sternburg gleicht die Fiktion an der Wirklichkeit ab und notiert, was an Rehs Fiktion neu ist (KI-Kontrolle von allem und jedem) und was nicht (Sex, viel Gerede). Insgesamt ein Buch, schließt Sternburg, dessen Actionplot sich flüssig wegliest und das gleichzeitig relevante Gedanken über Zukunftstendenzen bietet.