"Berlinromane" sind es keine, befindet Rezensent Werner Jung über Martin Kessels zwei neu herausgegebene Romane "Die Schwester des Don Quijote" (1938) und "Lydia Faude" (1965), sondern eher Belege dafür, dass Kunst Realität zu sein hat - in aller Freiheit. Dass man dem ersten Roman seine Entstehung während der NS-Diktatur nicht anmerkt, kann Jung als "Rückzug in die Kunst" noch verstehen. Dass aber der Anfang der sechziger Jahre geschriebene Roman "Lydia Faude" genauso zeitlos und "unkonkret" wirkt, ärgert den Rezensenten. Kessel habe hier einen "gemäßigt satirischen, erzähltechnisch hausbackenen Roman" geschrieben, der von einer talentierten Schauspielerin erzählt, die letztlich doch nur "kleine Brötchen backt". Hier wird zwar bewiesen, "dass Literatur auch aus purem Sprach- und Wörterspiel möglich ist und sein darf", doch kann es durchaus sein, warnt Jung, dass einem in solchen "Höhen" die Leserpuste ausgeht.
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