Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel. Was macht einen zur Mutter? Besonders dann, wenn man sein Kind nicht selbst auf die Welt gebracht hat? Als Saskia mit ihrer Freundin Juli ein Kind bekommt, verschieben sich die Koordinaten ihres Lebens. Alles richtet sich neu aus. Auf dem Papier ist sie Mutter, innerlich wachsen Zweifel. Juli möchte ein Kind. Saskia nicht. Trotzdem gibt sie irgendwann nach, und Juli bringt ihren gemeinsamen Sohn Saul zur Welt. Doch Saskias Muttergefühle lassen auf sich warten, eine Schieflage, die das Familiengefüge immer stärker kippen lässt. Das Paar entscheidet, Sauls leiblichen Vater Karl und dessen Familie zu besuchen. Auf der abgelegenen kanadischen Hippieinsel muss Saskia sich ihren innersten Ängsten stellen. Zwischen ihr und Juli wachsen die Spannungen, Karls Mutter, die dreißig identische moosgrüne Gewänder besitzt, füttert Saul ununterbrochen mit selbstgebackenen Keksen, und immer wieder bricht das WLAN zusammen und damit auch jeglicher Kontakt zur Außenwelt. Dann reist Karl überraschend ab, und Saskia gerät mitten hinein in einen alten Familienzwist, der sie und ihren Sohn ganz unmittelbar betrifft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.06.2020
Rezensent Stefan Michalzik möchte auf diesen Roman der belgisch-flämischen Autorin Saskia de Coster aufmerksam machen. Es geht um ein gleichgeschlechtliches Paar, um zwei Mütter, die mit ihrem Kind den leiblichen Vater in seiner Hippiekommune auf einer kanadischen Insel besuchen und dort hängenbleiben. Im Mittelpunkt steht dabei die Erfahrung der Ich-Erzählerin, nicht die leibliche Mutter zu sein. Michalzik lobt den tagebuchähnlichen, literarisch aber tiefergehenden Stil und findet auch das Inselsetting interessant. Vor allem die Kombination aus "Binnenschau und gesellschaftlichem Blick" hält er für "bemerkenswert".
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