Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe. Mit einem Nachwort von Katja Lange-Müller. Ob Melancholie, Tristesse, hüzün Sema Kaygusuz, die Poetin unter den türkischen Prosaautoren, dekliniert mit bildstarker Sprache die "schwarze Galle" in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen durch. Den Erzählfaden geben der Autorin die bekannte Istanbuler Dichterin BirhanKeskin und deren überwache Empfindsamkeit an die Hand: Ihre Fähigkeit, mehr wahrzunehmen als andere, verbindet sieben voneinander unabhängige Geschichten, die wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind. Sieben melancholische, von großer Wärme getragene Geschichten, die uns vor Augen führen: Am verletzlichsten ist der Mensch in Schmerz und Kummer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2014
Nach der Lektüre von Sema Kaygusuz' Kurzgeschichtenband "Schwarze Galle" ist Rezensent Uwe Stolzmann hin- und hergerissen. Zunächst lässt sich der Kritiker durch die sieben teils melancholischen, teils lebenslustigen Geschichten in eine Welt entführen, die ihn - auch durch den erzählerischen Aufbau - an die Märchen aus "Tausendundeine Nacht" erinnert. Er liest etwa die "bitterschöne" Geschichte über die letzten Stunden, Gedanken und Gespräche des im Jahre 1992 erschossenen kurdischen Schriftstellers Musa Anter oder folgt Kaygusuz Freundin, Alter Ego und Erzählerin Birhan Keskin durch surreal flirrende Bilder. Zugleich muss Stolzmann aber gestehen, dass die Autorin zwar den Mut aufbringt, Genres und Ebenen zu vermischen, diese Kunst jedoch leider nicht beherrscht. Und so hat er während der Lektüre häufig das Gefühl, Kaygusuz bei etwas unbeholfenen literarischen Gehversuchen zu beobachten.
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