Der Band untersucht die poetische Darstellung und Reflexion der Krankheiten des Geistes und der Leiden des Körpers. In den Blick kommen in erster Linie epochale Krankheiten, für die Literatur und Kultur eine auch produktive Rolle spielen. Zumindest legt das temporal oder lokal stark begrenzte Auftreten der Krankheit den Verdacht einer kulturellen Gemachtheit des Krankheitsbildes nahe. Die Analyse solcher 'Epochenkrankheiten' lässt daher einen diagnostischen Zugriff der Literaturwissenschaft auf epochale Großbefindlichkeiten möglich scheinen. Das heißt, dass literarische Texte als Symptome für (auch körperlich) wirksame kulturelle Diskursformationen gelesen werden können. Zielsetzung des Bandes ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des poetischen Wissens von Krankheiten in seiner sozialhistorischen, interkulturellen und transdisziplinären Gebundenheit und Ermöglichung zu beschreiben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2006
Dass Leiden und Krankheit der Kreativität zuträglich sei, ist nach Ansicht von Alexander Kosenina ein hartnäckiger Topos, den auch Susan Sonntags vehementer Widerspruch nicht aus der Welt schaffen konnte. Wie auch: Die Beziehung zwischen Krankheit und Literatur sei mitunter so eng, dass Figuren wie Gustav Aschenbach oder Werther bereits als "Synonyme bestimmter Epochenkrankheiten" gelten. Die Beiträge des vorliegenden Bandes sind nach Ansicht Koseninas stellenweise "wenig absehbar" und deshalb interessant - wie etwa zum "Tinnitus seit Kafka" oder zu "Körpersekreten im deutschen Pop", manchmal aber auch eher redundant, wenn oft beleuchtete Phänomene wie der Zusammenhang von Pathologie und Poetologie im Expressionismus nochmals aufgegriffen werden. In jedem Fall, so der Rezensent, bedarf es eines breiten Hintergrundwissens. Aber dies sei schließlich auch das "hehre" Ziel der Reihe "Das Wissen der Literatur": Die Welt "in und mit der Literatur verstehen zu wollen".
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