"Gibt es heute weniger Raum für ambivalente Gefühle, weil wir uns permanent glücklich fühlen wollen?" Wir leben in unsicheren Zeiten. Viele von uns fühlen sich überfordert, bedroht und machtlos; Gefühle von Angst und Unsicherheit prägen unsere Wahrnehmung und unser Miteinander. Kann die Melancholie uns helfen? Die renommierte niederländische Philosophin Joke J. Hermsen sagt Ja: Denn melancholisch zu sein bezeichnet einen Zustand, dem - trotz Verzweiflung und Traurigkeit - immer auch etwas Schöpferisches und Hoffnungsvolles innewohnt. Warum fällt es uns heute so schwer, Vertrauen in bessere Zeiten zu haben? Anhand der Werke von Hannah Arendt, Ernst Bloch, Lou Andreas-Salomé und vielen anderen beschreibt Hermsen eindrücklich den Wendepunkt, an dem der Mensch noch genug Kraft und Hoffnung hat, seine Ängste und Zweifel zu überwinden und eine neue Beziehung zu sich selbst und der Welt aufzubauen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.01.2022
Rezensentin Andrea Roedig empfiehlt das Buch der Philosophin Joke Hermsen. Zu lernen ist bei Hermsen laut Roedig, dass Melancholie nicht in Depression umschlagen muss, sondern in Kreativität und Liebe münden kann. Bis zu Platon geht die Autorin zurück, um für diese Chance zu werben und den Begriff der Melancholie von seiner negativen Konnotation zu befreien, erklärt Roedig. Indem sie die Melancholie als Teil der Grundstruktur menschlichen Seins ausweist, schreibt die Autorin nicht gegen die Behandlung von Depression an, sondern bietet eine differenzierte kulturgeschichtliche Sicht auf das Phänomen, findet die Rezensentin.
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