Aus dem Französischen von Andreas Pfeuffer. Inwiefern lässt sich die Armut in Deutschland oder Frankreich mit der Armut in Dänemark oder Italien vergleichen, inwiefern die Armut in den "sensiblen Zonen" unserer Städte mit der Armut in ländlichen Gegenden, die Armut der 1960er Jahre mit der des 21. Jahrhunderts? Und von wem spricht man, wenn von den Armen die Rede ist? Unterstützt zu werden, ist das Erkennungszeichen der Armen, das Kriterium ihrer Zugehörigkeit zu einer speziellen Bevölkerungsschicht, einer Schicht, die unausweichlich abgewertet wird. Der Arme muss als Empfänger von Unterstützungsleistungen damit leben, dass er, und sei es auch nur vorübergehend, mit einem negativen Image behaftet ist, das die Gesellschaft auf ihn projiziert und das er schließlich verinnerlicht: dem Makel, von keinerlei Nutzen zu sein. Der französische Soziologe Serge Paugam untersucht Armut als Störfaktor, als Ausdruck von Ungleichheit und als Erfahrung von Männern, Frauen und Familien, die in der Gesellschaft ganz unten stehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.05.2008
Ein Jahrzehnt vergleichender Forschung steckt in der Analyse "Die elementaren Formen der Armut" des französischen Soziologen Serge Paugam. Rolf Wiggershaus entnimmt ihr drei elementare Formen des Verhältnisses von Armut und Gesellschaft, von denen die "disqualifizierende Armut" eine besonders perfide Rolle für den Einzelnen spielt, weil sie mit einer sozialen Abwertung einhergeht. Erfahren hat der Rezensent auch, dass das Risiko solcher Entwertung in "Ländern mit geteilter Verantwortung" (individueller Eigen- und familiärer Verantwortung) besonders groß ist, in denen weder das mediteranne Familienmodell noch das skandinavische Modell wirklich wirkten: Deutschland und Frankreich gehören dazu. Das an Informationen und Reflexionen reiche Buch, das sich unter anderem auf Karl Marx und Georg Simmel beruft, braucht die durch den Titel suggerierte Nähe zu Emile Durkheims "Die elementaren Formen des religiösen Lebens" nicht zu scheuen, lobt der Rezensent.
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