Die vorliegende Studie ist die überarbeitete Fassung ihrer Dissertation, die im Rahmen eines kooperativen Promotionsverfahrens (cotutelle de thèse) an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales Paris und der Philipps-Universität Marburg abgeschlossen wurde. Nikola Tietze zeigt in ihrem Buch, dass "Muslim sein" kein statisches Programm, sondern ein Prozess ist, in dessen Verlauf sich das Individuum stets aufs neue als handelndes Subjekt entwirft. Am Beispiel junger muslimischer Männer in Deutschland und Frankreich, die unter vergleichbaren sozialen Bedingungen leben, analysiert die Autorin Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Selbst- und Außenwahrnehmung. Anhand von Interviews und teilnehmender Beobachtung entwickelt sie auf der Grundlage relevanter wissenschaftlicher Arbeiten eine Typologie der verschiedenen Formen muslimischer Religiosität.
Wer hätte gedacht, welche Aktualität die Dissertation von Nikola Tietze vom Hamburger Institut für Sozialforschung über junge Muslime in Hamburg, Straßburg und Paris binnen so kurzer Zeit haben könnte, meint Hans-Volkmar Findeisen. Die Studie ist eine Doktorarbeit, und in ihr darf, schreibt der Rezensent, das "hölzerne akademische Ritual", den Forschungsstand aufgearbeitet zu haben, nicht fehlen. Das hat die Autorin gut und kritisch gemeistert, lobt Findeisen, denn ihr verhaltener Unmut über den kultur- und verelendungstheoretischen Diskurs, in dem Muslime als kulturell und materiell zurückgeblieben, modernitätsverweigernd und traditionsfixiert dargestellt würden, ist dem Rezensenten nur allzu deutlich geworden. Interessant findet Findeisen, dass Tietzes Untersuchung deutlich mache, dass die elitäre Religiosität auch der mutmaßlichen Hamburger Attentäter nicht auf Abschottung, sondern auf Integration gezielt habe, deren schwieriger Prozess, vergleichbar dem Aktivismus der RAF, auch in einer gefährlichen Mischung aus Hass und Gewalt enden könne.
Für Mark Terkessidis leistet Nikola Tietze in der Migrationsforschung Pionierarbeit: sie untersucht anhand qualitativer Interviews mit jungen deutschen und französischen Muslimen, welche Rolle die Religiösität im Prozess der Subjektivierung spielt. Tietze halte den Islam der jungen Generation vor allem für ein Phänomen, das durch den Umstand der Einwanderung und fremden Umgebung mit ihrem "türkisierenden Blick" überhaupt erst entstanden sei. Die religiösen Inhalte würden den Bedürfnissen der jungen Männer höchst unterschiedlich und vielfältig untergeordnet, lautet für Terkessidis eine von Tietzes überraschenden Erkenntnissen: das reiche von praktischer Handlungsanweisung im Alltag und für die Karriere bis hin zu einer kulturellen Praxis, die auch die Gefahr der Abkapselung berge. Das Leben der jungen Muslime sei ebenso von der Individualisierung betroffen wie das einheimischer Jugendlicher auch, schreibt Terkessidis abschließend, nur finde ihre Lebensgestaltung in einem komplizierteren Kontext statt.
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