Aus dem Amerikanischen von Jennifer Sophia. Seth M. Holmes bietet eine eingehende Untersuchung des alltäglichen Lebens und Leidens mexikanischer Migrant*innen, die in der modernen US-Landwirtschaft als Erntehelfer*innen arbeiten. Der Anthropologe und Mediziner zeigt, wie Gesundheit und Gesundheitsversorgung durch die Schattenseiten der Konsumgesellschaft, durch Ressentiments gegen Einwander*innen und durch Rassismus leiden. Holmes' Material ist erschütternd und eindrucksvoll: Er wanderte mit seinen Begleiter*innen illegal durch die Wüste nach Arizona und wurde mit ihnen inhaftiert, bis sie abgeschoben wurden. Er lebte bei indigenen Familien in den Bergen von Oaxaca und in Farmarbeitslagern in den USA, baute Mais und Erdbeeren an und begleitete kranke Arbeiter*innen in Krankenhäuser. Diese "verkörperte Anthropologie" (Embodied Anthropology) vertieft unser theoretisches Verständnis dafür, wie schnell soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft - und besonders im Gesundheitswesen - als normal und natürlich wahrgenommen werden.
Rezensent Ralph Gerstenberg bekommt mit der teilnehmenden Reportage des Mediziners Seth M. Holmes, die der Autor mit reflektierenden Passagen ergänzt, einen ergreifenden Bericht über mexikanische Wanderarbeiter in den USA, die strukturelle Gewalt, der sie ausgesetzt sind, und die Ursachen. Auch wenn das Buch im amerikanischen Original bereits 2013 erschienen ist, scheint es Gerstenberg mit Blick auf die Einwanderungspolitik der USA (leider) nicht an Aktualität eingebüßt zu haben. Ein aktuelles Vor- beziehungsweise Nachwort hätte dennoch nicht geschadet, findet er.
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