Herausgegeben von Klaus Birnstiel. In der deutschsprachigen literarischen Landschaft des siebzehnten Jahrhunderts stellt das Werk der 1621 im vorpommerschen Greifswald geborenen und dort schon 1638 verstorbenen Sibylla Schwarz eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Orientiert an der Sprach- und Dichtungsreform durch Martin Opitz und gesamteuropäischen Phänomenen wie der Antikenrezeption und des Petrarkismus, verfasste Sibylla Schwarz nicht nur zahlreiche Gelegenheitsgedichte zu Geburts-, Hochzeits- und Todestagen. Auch etliche Sonette, ein Beispiel zeittypischer Schäferdichtung, Gläubiges, ein Prosafragment und Anderes finden sich hier. Noch im achtzehnten Jahrhundert ob ihres Talents und ihrer autodidaktischen Bildung gerühmt, ist die Bedeutung von Sibylla Schwarz indes bis heute nur wenigen Spezialistinnen und Spezialisten deutlich geworden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.02.2021
Zum vierhundertsten Todestag der Greifswalder Barockdichterin Sibylla Schwarz erscheinen drei Ausgaben, die Rezensentin Insa Wilke allesamt als "enthusiastische und verlegerische Großtaten" feiert. Dabei hat die Literaturgeschichte, die Frauen immer wieder emendierte, auch bei der fast vergessenen Schwarz einiges wiedergutzumachen, wie Wilke bemerkt. Schwarz kam 1621 als Tochter des Greifswalder Bürgermeisters zur Welt, inmitten des Dreißigjährigen Krieges, der auch bei ihrem frühen Tod mit siebzehn Jahren nicht zu Ende war. Gudrun Weilands Ausgabe "Ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden" erscheint der Rezensentin am zugänglichsten, die Kritische Ausgabe von Michael Gratz recht avantgardistisch, die von Klaus Birnstiel als akademisches Muss. Aber in allen findet Wilke die Kraft und Kreativität dieser Dichterin wieder, die spöttischen Gedichte auf den "unadelichen Adel" und "nasenrumpfenden Klüglinge", die "Gesänge wider den Neid", die dialogischen Liebes-Sonette oder ihr "Christlich Sterbelied".
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