Nicht einmal das Datum seiner Geburt in Gelnhausen kennen wir genau (1621 oder 1622) - erst als dieser Autor des wohl bedeutendsten Romans in deutscher Sprache aus der Odyssee des Dreißigjährigen Krieges wieder auftaucht, um im badischen Raum Bürgermeister zu werden, lichtet sich das Dunkel. Aber seit dem Erscheinen von Gustav Könneckes grundlegender Quellenforschung in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist auch keine größere Biografie des bedeutendsten deutschen Barockdichters mehr auf dem Buchmarkt zu finden. Und Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen hat seinerseits durch die Gewohnheit, seine Spuren als Autor zu verdecken, es seinen Biografen schwergemacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.07.2012
Der Satiriker Grimmelshausen entstammt einer Zeit, die "keine materiellen, keine mentalen" Sicherheiten kannte, entnimmt Rezensent Christian Thomas dieser neuen Biografie. Darin erfährt er manches Neue: So verkünden die Autoren, dass einiges aus Grimmelshausens Feder auf bereits in jungen Jahren als Musketier abgefassten Skizzen fuße. Mit Interesse liest Thomas außerdem die Studien über Grimmelshausens Heimatstadt, in der Gewalt und Aberglaube alltäglich und für den jungen Grimmselshausen sicherlich auch im Hinblick auf sein Werk prägend waren. Nicht zuletzt lobt der Rezensent die "biografische Bescheidenheit", mit der die beiden Biografen ihre Detailerkenntnisse an die, wegen teils schwieriger Quellenlage, stets "mühselige" Grimmelshausenforschung anknüpfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2012
Grimmelshausen ist für Alexander Kosenina der Meister der Verrätselungen und Scharaden. Etwas Licht in die dunkle Vita des Pseudonym-Königs bringt laut Rezensent das Buch von Hans Sarkowicz und Heiner Boehncke, das mit einem aus Fakten und Fiktionen gemalten Lebensbild aufwartet. Mehr als klassisch nennt Kosenina das Ergebnis, weil die Autoren Genealogisches mit Lokal- und Kulturhistorischem sowie mit Politischem verbinden und dem Ganzen ein Fundament aus detaillierten Werkdeutungen gießen. Was Kosenina an Entschlüsselungen geboten bekommt, steht für ihn den Verlautbarungen des Simplicissimus an Raffinement kaum nach. Die Nachweise von Lektüren und Bildungseinflüssen scheinen ihm höchst aufschlussreich und ergeben ein entstaubtes Bild des Dichters.
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