Mit der zweiten, um ein aktuelles Nachwort erweiterten Auflage ihrer sozial-psychologischen Studie präsentiert Sibylle Hübner-Funk unter verändertem Titel erneut ihre Untersuchung der De-Konversions- und Re-Zivilisationsprozesse, die die Angehörigen der Hitlerjugend-Generation nach Hitlers Selbstmord und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches (unter westdeutschen Verhältnissen) durchlaufen haben. Sechzig Jahre danach und fünfzehn Jahre nach der deutschen Vereinigung sind diese 1946 von den Alliierten amnestierten Jahrgänge zwischen den Bundeskanzlern Helmut Schmidt (Jg. 1918) und Helmut Kohl (Jg. 1930) geboren so weit gealtert, dass sie den Nachgeborenen gegenüber ausführlich Zeugnis abzulegen versuchen über ihre politisch missbrauchte und durch den totalen Krieg traumatisierte Jugend.
Wärmstens empfehlen kann Rezensentin Ute Scheub diese Studie über Hitlerjungen und "deutschen Mädels", die die Soziologin und Jugendforscherin Sibylle Hübner-Funk vorgelegt hat. Das "Besondere" dieses Buches sieht Scheub darin, dass die Autorin die Begeisterung der HJ-Generation für Hitler, den Nationalsozialismus und schließlich den Krieg ernst nimmt. Wiewohl es ihren politischen Überzeugungen völlig widerstrebe, erklärt Scheub, versuche Hübner-Funk die Welt mit den Augen dieser Jugendlichen zu sehen. Sie vertiefe sich unter anderen in die Autobiografien von Prominenten wie Helmut Schmidt und Erhard Eppler oder weniger Bekannten wie Renate Finck und Melita Maschmann, um den Prozess der "De-Zivilisierung" in der Nazizeit zu verstehen. Scheub hebt hervor, dass sich die These der Autorin immer wieder bestätige, die Sozialisation unter Hitler habe weit tiefere Spuren in der Psyche der ehemaligen Anhänger beziehungsweise Anhängerinnen hinterlassen, als diese zugeben wollen. Hübner-Funk befasse sich im weiteren auch mit dem Prozess der "Re-Zivilisierung" der HJ-Generation nach Kriegsende, das für viele Überlebende zunächst einmal nicht Befreiung, sondern absoluten Verlust bedeutete. Das Resümee der Rezensentin: "'Hitlers Garanten der Zukunft' wirft den Scheinwerfer auf einen blinden Fleck der Totalitarismusforschung, die Emotionsgeschichte der Indoktrinierten, und ist damit unbedingt lesenswert."
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