Ein "Drückeberger" als Held: Ginster ist 25, als der Erste Weltkrieg ausbricht, ein begabter Frankfurter Architekt. Der patriotischen Begeisterung seiner Zeitgenossen steht er skeptisch gegenüber, und so verwendet er einige Mühe darauf, sich immer wieder vom Kriegsdienst zurückstellen zu lassen das Vaterland braucht seine Architekten schließlich nicht an der Front, sondern zu Hause, wo etwa Granatfabriken und Ehrenfriedhöfe für die gefallenen Soldaten zu planen sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.04.2013
Ausführlich widmet sich Rezensent Christian Thomas Siegfried Kracauers Roman "Ginster" von 1928, dem die Stadt Frankfurt gerade ein ganzes Festival gewidmet hat. Angesichts dessen hätte sich Thomas einen etwas ausführlicheren Apparat für die Neuauflage gewünscht. Aber gut. Das Buch spielt in den Jahren des Ersten Weltkriegs, berichtet Thomas, der Erzähler und Protagonist Ginster reagiert auf den Krieg mit einer allgemeinen Existenzdienstverweigerung, flaniert nur noch herum, vor allem durch Frankfurt, und sucht treffende Metaphern für das gewalttätige Treiben um ihn herum. "Ginster" ist auch ein Antikriegsbuch, wenn auch ein eigenwilliges. Autor und Figur teilen sich die pazifistische Haltung sowie die Gaben der genauen Beobachtung und der brutalen Metapher. "Ginster", so heißt der Erzähler aufgrund seiner "Tendenz zu verrieseln", ein wenig haben sie auch das gemeinsam, erklärt der Rezensent.
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