Cromwell hat sieben Hausärzte am Start, die nichts voneinander wissen und ihm reichlich Aufputsch- und Beruhigungsmittel verschreiben. Das geht natürlich nicht ewig gut, und so beschließen seine Freunde, den Tablettensüchtigen zur Entgiftung in die Klinik einzuweisen. Simon Borowiak es, über das Innenleben einer psychiatrischen Notaufnahme, über die Abgründe von Süchtigen und die Schmerzen der Depression so schreiben, dass jede Zeile Spaß macht. Denn Borowiak erzählt von eigenen leidvollen Erfahrungen, weiß aber sehr genau: Die schlimmsten Dinge im Leben kann man nur als Komödie erzählen.
Daniel Schreiber bespricht zwei Romane, die sich die Abhängigkeit zum Thema gemacht haben: "Schluckspecht" von Peter Wawerzinek und "Sucht" von Simon Borowiak sind beide autobiografisch inspiriert, weiß der Rezensent, beide Autoren haben ihre Erfahrungen mit Alkoholismus, Entzug und Rückfällen gemacht - und beiden gebührt jetzt großes Lob dafür, dass sie literarisch spürbar gemacht haben, wie wenig man Sucht als Krankheit unterschätzen darf, so Schreiber. Wie schon in Borowiaks Vorgängerromanen dreht sich "Sucht" um die drei Freunde Cromwell, Schlomo und Mendelssohn, die es sich diesmal in den Kopf gesetzt haben, eine Privatdetektei zu gründen, sobald Cromwell seinen Entzug in der Klinik hinter sich hat, fasst der Rezensent zusammen, der dann ein wenig überrascht ist, wie heiter es trotz Schrecken und Verzweiflung zwischendurch in der Klinik zugeht und wie gut die Insassen über sich und ihre Situation lachen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014
Gute Balance zwischen Komik und Verzweiflung hält der Autor mit diesem Roman, findet Rezensent Edo Reents. Die drastische Leidensgeschichte des verkrachten, tabletten- und alkoholabhängigen und in der Psychiatrie gelandeten Akademikers Cromwell hält Reents nur aus, weil Simon Borowiak sie mit einer durchgeknallten Detektivgeschichte verzahnt. Dass die Figuren gesellschaftliche Rollenbilder dauernd unterlaufen, gefällt Reents, der vermutet, der vormals als Simone bekannte Autor habe hier ein bisschen die eigene Biografie geplündert. Daher, so schließt Reents, womöglich auch die treffsichere Schilderung katastrophischer Gemütslagen. Schließlich begeistert den Rezensenten auch der ungewöhnliche Fluchtpunkt der Geschichte. Dass ein Held sich nichts sehnlicher wünscht als Phlegmatismus, findet er höchst sympathisch.
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