Mörderische Intrigen, geheime Bündnisse und unablässige Rivalitäten bestimmten das Leben hinter den Kremlmauern. Aber man feierte auch, spielte mit den Kindern und fuhr gemeinsam in die Sommerfrische ans Schwarze Meer. Stalins eisige Macht im Kreml wäre ohne seinen "Hofstaat" nicht möglich gewesen. Unveröffentlichte Briefe, u.a. von seiner zweiten Frau Nadja, geheime Tagebücher, Notizen und Protokolle von Ministern und Beratern wie Molotow oder Beria erzählen uns in Simon Sebag Montefiores Bestseller den Alltag am Hof des roten Zaren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2006
Rundum überzeugend findet Thomas Urban diese detaillierte Charakterstudie über Josef Stalin, die Simon Sebag Montefiore verfasst hat. Er sieht darin eine höchst instruktive Analyse der gespaltenen Persönlichkeit des grausamen Sowjetdiktators. Anerkennung zollt er der präzisen Arbeit des britischen Historikers, seiner Auswertung zahlreicher Quellen und Interviews, die er unter anderem mit Kindern und Enkeln von Mitgliedern der damaligen Parteiführung führen konnte, die Stalin selbst noch erlebt hatten. Zudem lobt er Montefiores erhellende Rekonstruktion von Stalins Herrschaftsmechanismus. Auch dass der Autor darauf verzichtet, ein Psychogramm Stalins zeichnen zu wollen, erwähnt Urban positiv. Schließlich sprechen die Fakten, Dokumente und Zitate, die der Autor anführt, seines Erachtens "bereits für sich". Abschließend bescheinigt er Montefiores "exzellentem Werk", dem Wesen Stalins und des Stalinismus näher zu kommen als "alle Analysen seiner politischen Methoden und Absichten".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2006
Ein wenig scheint Cord Aschenbrenner dieses Buch an eine Elefantenparade zu erinnern. Die gesamte Kamarilla von Stalins Kreml lässt der in Cambridge ausgebildete Historiker Simon Sebag Montefiore hier aufmarschieren. Gekonnt erzähle er von dem "beispiellosen Ungeheuer" und führe genüsslich "Verderbtheit, Rohheit und Opportunismus" seiner Entourage vor, schreibt Aschenbrenner. Dafür habe der Historiker jede Menge Archive gewälzt und die Nachkommen von Stalins Höflingen befragt. Allein: Erklärt oder analysiert werde hier nichts, manches erscheint dem Rezensenten sogar platt. Alles in allem ergeben die gesammelten Anekdoten eine Art Dokufiction, die der Rezensent nicht ganz ernst genommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.11.2005
Wer sich von diesem Buch eine ernsthafte politische Analyse erhofft, wird enttäuscht werden, warnt Ernst Piper, doch wer sich für Kreml-Kitsch interessiert, ist hier genau richtig! Noch nie hat ein Autor über Stalins "menschliche Schwächen" und die Ränkespiele seiner Umgebung derart "anschaulich und sympathieheischend" geschrieben, schätzt Piper. Über Stalin erfährt man in diesem Buch "beinahe alles", von der Häufigkeit des Wäschewechsels ebenso wie von den "intensiven Tabakausdünstungen", so der staunende Rezensent, der den "farbigen und detailfreudigen" Schilderungen durchaus mit Interesse begegnet. Dagegen bleiben die politischen und historischen Umrisse der Zeit "blass", und bezeichnender Weise liest man erst auf Seite 339 "einen Satz zur Außenpolitik", während man über Hitler überhaupt nichts, über Lenin oder Trotzki kaum etwas erfährt, stellt der Rezensent fest. In seiner "Stalinismusgeschichte aus Schlüssellochperspektive" interessiert sich der Autor eben ausschließlich für Stalin und seine nähere Umgebung. Vor dem Hintergrund dieser Beschränkung aber lobt der Rezensent die Auswertung einer Reihe von neuen Quellen als "großen Vorzug" der Darstellung.
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